Berlin, 14. April 2013. Eigentlich ein ganz normaler Apriltag in Berlin. Ja, bald ist Bundestagswahl, aber das dauert noch. Wird doch eh wieder Merkel. In Berlin geschieht aber an diesem Tag etwas, was Deutschland länger beschäftigen wird. Akademiker und Professoren, die sich vor allem eine Rückkehr zur D-Mark wünschen, gründen die "Alternative für Deutschland" (AfD). Hätte man in diesen Tagen Passanten in einer Fußgängerzone nach Menschen wie Alice Weidel, Alexander Gauland oder Frauke Petry gefragt, die große Mehrheit hätte wahrscheinlich nichts über eine der Personen gewusst.

Heute ist das anders. Die AfD ist bekannt im Land. Fanatisch geliebt, verabscheut oder gehasst, fast jeder kennt sie nun. Keine Partei vor ihr hat in so einer kurzen Zeit einen solchen Wandel erlebt.

Dass neugegründete Parteien in den Deutschen Bundestag einzogen, das ist nichts Neues. Immerhin zog zur ersten Wahl des Deutschen Bundestags 1949 die CDU/CSU als stärkste Fraktion ein. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade mal vier Jahre alt.

Mit der AfD ist das allerdings anders. Diese Partei wurde nicht als das geboren, was sie heute ist. Gegründet wurde sie, um sich für den Erhalt des Bargelds einzusetzen, den Euro abzuschaffen und zur D-Mark zurückzukehren und gefrusteten Wirtschaftsprofessoren sowie enttäuschten CDU- oder FDP-Mitgliedern einen neuen Raum zu geben. Schon damals waren Leute wie Gauland, von Storch oder Konrad Gedeon dabei - und zwar in der ersten Reihe.

Die Geister, die Parteichef Lucke rief, ließen ihn jedoch nicht mehr los. Auf dem Parteitag der AfD, der Mitte 2015 in Essen stattfand, wurde er damals von den Rechtskonservativen und dem einen oder anderen Fanatiker, hinter der unbequemen und spitzen Petry, abgewählt.

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Sie verkörperte den rechten Flügel der Partei, wozu auch Leute wie Björn Höcke angehören.

Was dann folgte, war anscheinend sogar für die AfD eine unerwartete aber glückliche Aufholjagd mit den "etablierten" oder "Altparteien", wie die AfD sie gerne nennt. Durch die Flüchtlingskrise und den europäischen Zwist über die Verteilung der Hergekommenen erlebte die AfD Zuspruch und Unterstützung. In dieser Zeit lernte Frauke Petry vielleicht, dass die AfD erfolgreicher ist, wenn man andere für sich ackern lässt - wenn man von sich selbst ablenkt und auf die Fehler der anderen zeigt. Schlagzeilen wie diese haben der AfD stets genützt.

So kam die AfD mit diesem Schwung ins Jahr 2016. Ihr Glück, dass im März Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt waren, denn nicht zuletzt durch ihre strittigen Positionen und Aussagen, wie zum Beispiel "An der Grenze von der Schusswaffe Gebrauch machen" konnte die AfD Wähler für sich gewinnen und war wohl der größte Sieger von diesen Landtagswahlen.

Ihr kamen Fälle über die sich ganz Deutschland echauffierte gerade recht. Die Silvesternacht in Köln, die Anschläge in Paris, London und Brüssel, der Brexit, all dies nutzte der AfD ungemein. Ein erneutes Sahnehäubchen kam mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September 2016, wo die AfD sogar die CDU überholte und zweitstärkste Kraft wurde.

2017 war ein eher durchwachsenes Jahr für die AfD. Die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gingen eher zu Gunsten der CDU aus, im Saarland und in Niedersachsen erhielt die AfD ebenfalls eher schlechte Ergebnisse um knapp 6 Prozent. Geert Wilders schaffte es nicht, die Macht in den Niederlanden an sich zu reißen. Und in Frankreich setzte sich der liberale Reformer Macron gegen die Vorzeigepuppe der Rechten in Europa, Le Pen, durch. Ebenfalls Probleme bereiteten Aussagen von Alexander Gauland, der die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Özoğuz "in Anatolien entsorgen" lassen wollte. Oder Björn Höcke, der in seiner Dresdener Rede gesagt hat, dass das Holocaustmahnmal in Berlin eine Schande sei.

Jedoch schaffte es die AfD, kurz vor der Bundestagswahl durch aggressivste Rhetorik, das Verlassen aus TV-Talkshows oder eklatante Tweets, wieder aufzuerstehen und landete mit satten 13 Prozent im Bundestag. Man kann sich fragen, wieso. Denn, was hat diese Partei in diesen Wochen so anders gemacht, als in den letzten vier Jahren? Vielen wird das bis heute nicht ganz klar. Lag es an der aufgeheizten Stimmung in den Wahlkampfzeiten? Wenn ja, kommt dies erneut auf Deutschland zu? Denn der Türkische Präsident hat nun seinen Wahltermin vorverlegt. Die aufgeheizte Stimmung hat der AfD stets genützt.

Man darf gespannt sein, was die AfD aus sich macht. Wie Spaltungen ihr noch bevorstehen und ob es sie in zehn Jahren noch geben wird. Eins steht nur fest: Man sollte sie im Auge behalten.