In Deutschland leben rund 8,1 Mio. Familien mit minderjährigen Kindern, davon sind knapp 20% alleinerziehend. Nicht selten werden diese Alleinversorger und ihre Kinder in die Armut getrieben. Rund 39% der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sind derzeit auf staatliche Grundsicherungsleistungen (SGB II) angewiesen, das sind 625 000 Bedarfsgemeinschaften.

Warum geraten gerade Alleinerziehende so häufig in die Armutsfalle?

Wer seine Kinder allein erzieht, hat schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Sie finden oft nur Teilzeit-Stellen oder schlecht bezahlte Jobs. Umso mehr sind sie auf die Unterhaltszahlungen des anderen Elternteiles angewiesen. Bleiben diese Zahlungen aus, rutschen sie schnell in den Bezug von Hartz IV Leistungen.

Und Unterhaltsschuldner sind keine Seltenheit. Nach einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung kommen nur 50% der Unterhaltspflichtigen überhaupt ihren Verpflichtungen nach. Davon zahlen nur 25% den Unterhalt pünktlich, regelmäßig und vollständig.

Diese fehlenden Unterhaltszahlungen versucht der Staat durch den Unterhaltsvorschuss abzumildern. Pro Kind zahlt das Jugendamt einen Vorschuss zwischen 154€ (0-5 Jahre) und 273€ (12-17 Jahre). Allerdings reicht dieser Betrag in vielen Fällen gerade einmal aus, die erhöhten Betreuungskosten zu decken. Denn Alleinerziehende brauchen häufig ganztags eine Betreuung für ihre Kinder.

Ein großes Problem stellen die 13 Wochen Ferien im Jahr dar, denn die meisten Arbeitnehmer haben nur 6 Wochen Jahresurlaub, manche sogar nur den gesetzlichen Mindesturlaub von 4 Wochen.

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In dieser Zeit müssen Alleinerziehende ihre Kinder fremdunterbringen, was zusätzliche Kosten verursacht. Zwar können Hilfen beantragt werden, aber das bedeutet wieder erhöhten Aufwand, für den ohnehin schon doppelt geforderten Elternteil.

Reform mit Anlaufschwierigkeiten

Die Unterhaltsvorschuss-Reform, die ursprünglich schon am 1. Januar 2017 in Kraft treten sollte, soll der wachsenden Kinderarmut in Deutschland entgegenwirken. Ohnehin schon um ein halbes Jahr verzögert, am 18. August 2017 endlich in Kraft getreten, zeigen sich viele Kommunen weiterhin mit der Umsetzung überlastet. Vielerorts fehlt es immer noch an ausreichend Personal in den Jugendämtern.

Was ist neu?

Die Begrenzung der Leistungsdauer auf höchstens sechs Jahre wurde aufgehoben und der Unterhaltsvorschuss wird nun bis zum 18. Lebensjahr weitergezahlt, statt wie bisher bis zum 12. Lebensjahr. Allerdings gibt es Einschränkungen beim Bezug von Hartz IV Leistungen.

Erhält der alleinerziehende Elternteil Hartz IV Leistungen besteht kein Anspruch, wenn er nicht monatlich mindestens 600€ brutto durch Arbeit selbst verdient.

Diese Regelung soll Anreize schaffen, durch eigene Verdienste teilweise aus dem Bezug von Sozialleistungen auszusteigen. Da stellt sich die Frage, ob es nötig ist ein alleinerziehendes Elternteil auch noch unter Druck zu setzen?

Dem Kind steht der Unterhalt schließlich zu und ein Elternteil drückt sich vor seinen Zahlungsverpflichtungen, der Staat tritt in Vorleistung, um das Kind nicht hängen zu lassen. Warum darf diese Vorleistung überhaupt dazu benutzt werden, um den erziehenden Elternteil unter Druck zu setzen? Der Unterhaltsvorschuss ist eine Leistung, die der Staat schließlich für den Unterhaltsschuldner übernimmt, selbst wenn der andere Elternteil das Geld ausgezahlt bekommt. Warum werden nicht für den Säumigen entsprechende Anreize geschaffen, eine Arbeit aufzunehmen und seiner Unterhaltspflicht selbst nachzukommen? Stattdessen wird jemand unter Druck gesetzt, der nicht nur die Organisation des Alltags und die Erziehung der Kinder allein meistern muss, sondern der ohnehin schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Fraglich ist auch wie man auf diese Art und Weise Kinderarmut bekämpft, was ja eigentliche der Zweck dieser Reform sein sollte.

Nach Angaben des Familienministeriums betrugen 2015 die Kosten für den Unterhaltsvorschuss 843 Mio. Euro, gerade einmal 192 Mio. (23%) dieser Ausgaben konnten von Unterhaltspflichtigen wieder eingetrieben werden.