Dass es keinen Spaß macht, sonntags früh in einer schlecht beheizten Kirche den Gottesdienst zu besuchen ist menschlich. Selbst manchem Pastor geht es auf den Geist, dass Gottesdienste teils immer noch wie Zeitreisen zurück in die 1960er sind. Zugegeben, gerade in Baden-Württemberg gibt es viele Freikirchen, die frischer und moderner daherkommen. Aber nicht jeder Deutschsprachler lebt in Baden-Württemberg - zumal noch zu klären wäre, ob Schwäbisch als Deutsch durchgeht. Was also tun?

Es war einmal...

Lange Zeit füllten diese Lücke die Fernsehpfarrer. In Deutschland seltener und auch ziemlich konservativ, aber aus den USA kam mit deutscher Übersetzung Interessantes.

Unvergessen ist die Crystal Cathedral von Reverend Schuller. Sie steht für die Blütezeit der TV-Prediger. Aus seiner unfassbar großen, unfassbar gläsernen und unfassbar gut besuchten Kirche im Raum Los Angeles sendete die "Hour of Power” aus der Crystal Cathedral gute Laune und christliche Segnungen in jedes Haus. Man brauchte nur den Fernseher anzumachen und die Sache war geritzt. Doch dann kam der traurige Absturz.

Der Zusammenbruch...

Reverend Schuller senior ist inzwischen verstorben, die pompöse Crystal Cathedral bedurfte einer baulichen Generalsanierung und sein Sohn Bobby stand plötzlich mit einer Megakirche da, aber ohne das nötige Geld. So musste er das Lebenswerk seines Vaters an die katholische Kirche als Kathedrale verkaufen und die “Hour of Power” in einem jämmerlichen Ersatzbau fortsetzen.

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Immerhin bewahrte er das passionierte und theologisch bereichernde Werk seines Vaters. Doch im Grunde verfiel nicht nur die grandiose Crystal Cathedral als Bauwerk, sondern auch die Reichweite über das Fernsehen. Dabei hatten die Schullers nichts Falsches getan. Der Zug der Zeit überrollte sie.

Das Internet...

Die “Hour of Power” Mannschaft hat, wie viele andere TV-Kirchen auch, den Sprung ins Internetzeitalter und erst recht den Wechsel in den Bereich “Social Media” verschlafen. Heute findet Kirche nicht mehr im Fernsehen statt, sondern in der Hosentasche, und das - zumindest bei uns - auch noch völlig ohne Kirchensteuer und ohne die Bitte um Spenden. Egal, wo man unterwegs ist, kann man heute im Handy Predigten anhören (wir nennen sie GodCasts in Anlehnung an die PodCasts), mit einem Pastor chatten, in der online-Kirche eine virtuelle Kirche zum Scheinen bringen, seine Hochzeit und andere Lebensereignisse in das Kirchenbuch eintragen lassen - und das alles 24/7 vom Smartphone, Tablet oder Computer aus.

GodCasts...

So kann man alles, was mit Kirche zu tun hat, von der Predigt, über Gebete, Segnungen und klerikale “Serviceleistungen” inzwischen einfach in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit “erledigen”. Oder als Atempause in der Mittagspause genießen. Alles, was man dafür braucht ist ein Internetzugang, und damit hat es sich. Natürlich wird es auch weiterhin Hauskirchen, Bibelkreise und dergleichen geben. Aber die Kirche als physisches Bauwerk, der sonntägliche Gottesdienst als Zeremonie und der Faktor der körperlichen Präsenz werden weiter an Bedeutung verlieren. Doch durch die Hintertür namens Internet kommt der gelebte Glaube mit vollem Schwung zurück. Übrigens nicht nur bei uns, sondern auch bei den Kollegen anderer christlicher Kirchen. Sogar der Papst bzw. der Vatikan ist tapfer in Facebook unterwegs. Unter Freikirche-deutschland.de können Sie die Zukunft schon heute besichtigen. Die GodCasts finden Sie auf soundcloud.com/freikirche - Seien Sie gesegnet!

#Produziert vom Global Missionary Center, Autor Pastor Kurt Lange