“Um Gottes Willen, erzähl das bloß keinem”, war noch eine der netteren Reaktionen, die ich erntete, als ich 2012 erstmals einer Freikirche beigetreten bin. Derzeit absolviere ich eine Art Praktikum für mein Studium (Theologie an einer Uni) am Global Missionary Center der Christian Universal Life Church in Boston und habe viel Spaß dabei. Viel Freiraum, sich kreativ auszutoben, ein internationales Team an Freiwilligen und erstmals das Gefühl normal unter Gleichgesinnten zu sein - das ist einfach schön.

Wie konnte es eigentlich geschehen, dass man sich in Deutschland nicht nur fast, sondern oft ganz konkret dafür rechtfertigen muss, bibeltreu, evangelikal oder freikirchlich zu sein? Oder sich dort - schlimm, schlimm - auch noch freiwillig zu engagieren?

Was geht da denn schief?

Klar, wer irgendwelchen obskuren Sekten angehört, zu dem hält man vielleicht besser etwas Sicherheitsabstand.

Aber das war bei mir nie der Fall. Und selbst wenn. Wie unsicher muss ein Mensch sein, dass er Angst vor dem gelebten Glauben und der Frömmigkeit eines anderen hat? Oder ist Glaube neuerdings ansteckend? Eher trifft man im Deutschland des Jahres 2018 auf viele spirituell entwurzelte, irrlichternde Menschen, die jedem Esoterikschnickschnack oder irgendwelchen Psychogurus hinterherrennen - ernsthaft gläubige Christen dagegen irgendwie als Marsmännchen empfinden.

Psychogurus und Esoterik?

Schön, dass in einem freien Land jeder glauben kann, was er will. Selbst die aberwitzigsten Psychoesoteriktrends. Woher kommt jedoch die Ablehnung, ja fast ein Hass auf den christlichen Glauben, wenn er bibeltreu gelebt wird? Wann hat unsere Gesellschaft den Kompass hierzu verloren? Dass viele Menschen aus den beiden großen Kirchen fliehen, das kann man ja noch nachvollziehen.

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Spiritueller Hunger wird in den Amtskirchen heute kaum noch gestillt, vielmehr regieren Zeitgeist und Politaktivismus. Mir persönlich fällt es zum Beispiel immer schwerer, einen evangelischen Kirchentag von einem Parteitag der Grünen zu unterscheiden. Im Grunde ist zuletzt Genannter das Gleiche, nur mit Sonnenblume statt Kreuz und ohne Vaterunser. Dass dort viele Reißaus nehmen, erstaunt nicht, vor allem bei der Höhe der Kirchensteuer.

Kommt zur Besinnung!

Aber auch unter den Freikirchen, die oft sehr konservativ sind, gibt es normal tickende Ausnahmen. Ich habe zu einer solchen gefunden, und ich liebe es. Deshalb habe ich eine Riesenbitte: ich möchte, wenn ich nach Deutschland zurückkomme, als bekennender Christ wenigstens nicht schräger angeschaut werden als Leute die an UFOs glauben. Von mir aus kann jeder Atheist oder sonstwas sein. Aber ich möchte nicht mehr schräg angesehen werden, wenn ich freitags kein Fleisch esse, sonntags in den Gottesdienst gehe und die Fastenzeit bewusst beachte. Ist das zu viel verlangt? Wirklich? Und wenn ja, warum?

Von Marvin Klein. Derzeit freiwilliger Social Media Kreativer im Global Missionary Center in Boston, USA.