Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und ohne bleibende Schäden ihr Leben weiterführen können haben Glück. Glück, das ihnen von Herzen zu wünschen ist. Jedoch begegnen einem immer häufiger Patienten, die ihr Glück überstrapazieren. Nehmen wir als Beispiel Frau W. Sie hatte zwei Schlaganfälle, einen in einer zentralen Struktur des Großhirns, der zweite war ein Infarkt im Hirnstamm. Grund war ein jahrelang zu hoher Blutdruck. Frau W. überstand beide Infarkte nach Reha ohne allzu wesentliche Schäden, doch eines war medizinisch klar: ihr Blutdruck musste endlich gesenkt werden.

Die Empfehlung der Ärtze in der sie behandelnden Universitätsklinik war ein maximaler Druck von 120/70.

Aber ich mache doch Yoga...!?

Dieser Meinung der Kollegen konnte ich mich gut anschließen.

Doch Frau W. nimmt ihre Tabletten nur ungern ein, vermeidet das Messen des Blutdrucks und ignoriert 24-Stunden-Kontrollen mit immer neuen Ausreden. Sie mag keine “Chemie” und die “ständigere Messerei” würde sie sowieso nur aufregen und “nichts bringen”... Doch, Frau W., es würde etwas bringen! Frau W. schwört stattdessen auf gesundes Essen und Yoga. Nichts gegen gesundes Essen und Yoga, wahrlich nicht, es sind gute Dinge. Doch der Blutdruck der Patientin scheint davon reich unbeeindruckt zu sein. Sie hatte zwischenzeitlich vier weitere kleine Schlaganfälle, ihr Blutdruck lag zur letzten Messung bei 140/90.

Bitte seien Sie vernünftig!

Frau W. ist leider kein Einzelfall. Die Compliance, also die Mitarbeit in der Behandlung ist bei immer mehr Patientinnen und Patienten ein erhebliches Problem.

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Sicher, auch Ärzte sind nur Menschen, wir können uns irren; und Medikamente nehmen zu müssen, ist auch nicht immer schön. Aber bitte vergessen sie nicht, dass wir unsere Approbation als Ärztin oder Arzt nicht im Lotto gewonnen haben. Normalerweise wissen wir, was wir tun. Und wenn ein Mediziner einem nicht liegt, ist man frei zu wechseln. Keine gute Idee ist dagegen die Herangehensweise der Frau W. Sie tut Dinge, die in der Prävention einen gewissen Stellenwert haben mögen, aber in der Behandlung oder Nachsorge eines hohen Blutdrucks sowie von Schlaganfällen drittrangig sind. Die richtige Reihenfolge ist

  • Ärztliche Akutbehandlung (obligat, also absolut notwendig)
  • Medizinische Reha (sehr empfehlenswert)
  • Ärztlich ambulante Nachsorge (langfristig, obligat)
  • Alternatives, Ernährung, etc. (maximal eine kleine Zusatzhilfe)

Bitte spielen Sie nicht mit Ihrer Gesundheit!