Wenn im deutschen Profifußball eines für Gesprächsstoff sorgt, dann ist es in jedem Falle, der vor der Saison neu eingeführte Videobeweis. Sowohl in der Bundesliga als auch im DFB-Pokal. Beharrten Traditionalisten schon vor Beginn der Einführung des Videobeweises darauf, doch einfach alles so zu belassen wie es ist, wird die Kritik am elektronischen Hilfsmittel auch bei zuvor noch neutralen Beobachtern immer lauter!

,,Der VB macht den Fußball fairer''

Wenn Sie sich von einem Offiziellen des DFB erfragen wollen, was sie sich vom Videobeweis erhoffen, wird die Antwort immer die gleiche sein.

,,Der Videobeweis soll den Fußball fairer machen.'' Dies war zu Beginn der Einführung, als auch nun ein knappes Jahr später, das höchste Gebot! Nur mit dem kleinen Unterschied, dass man den Satz mittlerweile zu ,,Der Videobeweis hat den Fußball fairer gemacht'' umgewandelt hat.

Eine These, die viele Fans sprachlos macht.

Spieltag für Spieltag gibt es strittige Schiedsrichter-Entscheidungen. In einem Spiel greift der videoschiedsrichter zur Hilfe ein, in einem anderen Spiel meldet sich das Gespann, das im Kölner Videokeller sitzt nicht zu Worte. Hieß es zu Anfang noch, dass der Videoschiedsrichter nur bei klaren Fehlentscheidungen eingreift ist es mittlerweile ein reines Glücksspiel geworden, ob dieser das auch tut oder nicht.

Wenn er dann doch eingreift, beginnt das Warten. Minutenlang fässt sich der Schiedsrichter an sein Head-Set und kommuniziert mit Köln. Nach ca. 2 Minuten, rennt dieser dann an den Spielfeldrand, wo er sich auf einem Monitor die Situation selbst noch einmal visualisieren kann. Wieder geht der Griff an das Head-Set und wieder vergehen gefühlte Stunden bis man zu einem Ergebnis gelangt.

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Der Schiedsrichter revidiert seine vorher getroffene Entscheidung, zeigt auf den Strafpunkt und das Publikum im Stadion ist fassungslos - Fassungslos, weil der Fan überhaupt nicht weiß, für was sein eigenes oder das gegnerische Team gerade einen Elfmeter zugesprochen bekommen hat.

Tiefpunkt beim Spiel Freiburg-Mainz

Am vergangenen Montagabend (16. April 18) folgte schließlich der Tiefpunkt des Videobeweises! In der letzten Spielminute der 1. Halbzeit beim Spiel Mainz 05 - SC Freiburg, spielten die Mainzer eine scharfe Flanke herein - Ein Freiburger Spieler machte instinktiv einen Ausfallschritt nach vorne, bei dem er seinen Arm mit nach bewegte und anschließend mit diesem genau den Ball berührte. Schiedsrichter Winkmann lies weiterspielen, da er es nicht gesehen hatte und pfiff anschließend zur Halbzeit. Doch was folgte dann? Während die Freiburger schon in der Kabine verschwunden waren (es war ja schließlich zur Halbzeit gepfiffen worden), folge bei Schiri Guido Winkmann der berühmte Griff ans Head-Set.

Die Mainzer bemerkten dies und schauten dem ganzen Theater zu. Auch das symbolische selbst Begutachten der Situation am Monitor folgte und das Unfassbare nahm seinen Lauf. Winkmann beorderte die bereits in der Kabine verschwundenen Breisgauer zurück auf den Platz - zeigte auf den Elfer-Punkt und es gab Elfmeter. Der Mainzer De Blasis verwandelte sicher, jubelte und Winkmann pfiff erneut zur Halbzeit. Die Situation wirkte für beide Teams und jeden Fan völlig surreal.

,,Das ist Fußball''

Schaut man nun in das Regelwerk, scheint diese Situation wohl legitim gewesen zu sein, doch wir dürfen einige Sachen nicht vergessen. Erstens, teilte uns der DFB mit, dass der Videoschiedsrichter nur bei klaren Fehlentscheidungen zum Einsatz kommt. Doch wo lag hier die klare (!) Fehlentscheidung vor? Der Ball springt mehr als unglücklich an die Hand des Freiburgers, der dadurch sogar fast noch ein Eigentor fabriziert! Wir können also festhalten, dass der Videoschiedsrichter hätte gar nicht eingreifen dürfen!

Zweitens, bleibt festzuhalten, dass es schon bald ,,den Fußball'', so wie wir ihn kennen nicht mehr geben wird, wenn wir jetzt schon Mannschaften aus der Kabine zurück auf den Platz beordern. Was folgt als nächstes? Werden die Teams um 3 Uhr Nachts noch einmal zurück auf das Spielfeld gerufen, da den Schiedsrichtern ein asymmetrischer Elfmeterpunkt aufgefallen ist?

Außerdem verpasst es der DFB Fehler einzugestehen. Würde es von Seiten des Deutschen Fußballbundes einmal lauten: ,,Dass diese Art von Videobeweis noch nicht das Gelbe vom Ei ist, wissen wir. Jedoch arbeiten wir daran und wollen es in Zukunft besser gestalten.'' würde es so manchem Fan besser ergehen, da dieser mitbekommen würde, dass der DFB sich zum einen Fehler eingesteht und zum anderen an Lösungen arbeitet.

Stattdessen wird konsequent jede Entscheidung als richtig ausgelegt. Kein Wort der Selbstkritik und der Fan hat sich damit gefälligst anzufreunden.

Guido Winkmann gab nach dem Spiel ein Interview in dem er Stellung bezog. Dabei traf er einen Knackpunkt. Er meinte, dass alles formal richtig abgelaufen sei und dass ,,das eben Fußball sei''. Und genau da liegt er eben falsch. Das ist eben nicht mehr ,,unser Fußball''! Menschen machen Fehler, das ist ganz natürlich! Doch was bringt es uns einen Videoschiedsrichter zu haben, der diese Fehlentscheidungen noch einmal mehr ins Rampenlicht rücken lässt und für noch größere Diskussionen sorgt?

Mit der Einführung des Videoassistenten sollte weniger über den Schiedsrichter auf dem Platz geredet werden und somit entlastet werden. Dieser Ansatz ist schon einmal klar gescheitert. Das Gegenteil ist der Fall. Der Schiedsrichter steht mehr im Mittelpunkt, denn je.

So gut wie fix - Borussia Dortmund vor Verpflichtung von Bundesliga-Spieler!