Man hat sie gehasst. Man hat sie gefürchtet. Man hat sich gelangweilt. Man wurde gestresst. Aber was ist, wenn sie nicht mehr da ist?

Die Schule. Ein großes Thema, das jeder kennt. In der Zeit, in der du noch Schüler bist, ist alles ein Zwang. Man zwingt sich aufzustehen, man zwingt sich loszugehen. Man zwingt sich dort zu bleiben, man zwingt sich aufzupassen (oder auch nicht). Es war immer eine Last ohne ersichtliches Ende. Es kommt mir vor wie gestern, als das MSA noch in weiter Ferne war und jetzt habe ich das Abitur schon fast in der Hand. Die Zeit war so lang, Zweidrittel meines Lebens wurde von ihr geprägt. In jedem Moment, an den ich mich erinnere, war ich eine Schülerin.

Ich hatte immer diese Pflichten, immer einen geregelten Ablauf, es war immer das Gleiche. Doch das Ende der Schulzeit ging so schnell, ich habe es fast gar nicht bemerkt. Plötzlich war man in der Oberstufe. Plötzlich gab es keine Klassen mehr, immer nur Grundkurse oder Leistungskurse. Aber auch hier war es immer das Gleiche. Ich erinnere mich an meine ersten Leistungskursstunden, ich erinnere mich an die erste Woche ohne Klasse. Doch das ist jetzt auch schon wieder vorbei. Jetzt gibt es keinen geregelten Tagesablauf mehr. Niemand macht mehr deinen Plan. Jetzt bist du verantwortlich.

Doch was passiert, wenn du zum ersten Mal in deinem Leben keine Verpflichtungen mehr hast?

Die Zeit vergeht ganz komisch. War das grade eine Woche oder ein Tag? Ich weiß es meistens nicht.

Alles ist eine graue Masse, alles fühlt sich gleich an. Wochentage spielen keine Rolle, Uhrzeiten spielen keine Rolle. Deine Eltern haben fast nichts mehr zu sagen. Die Volljährigkeit kam mit einem Schlag. Doch dann, plötzlich, erwarten alle einen Plan. Immer wieder kommen die gleichen Fragen. „Was machst du nach dem Abitur? Was willst du studieren? Wie soll deine Zukunft aussehen?“ Fragen über Fragen und die Person, die einen am meisten damit unter Druck setzt, bist du selbst. Es ist nicht leicht sich zu entscheiden, man musste das ja noch nie machen. Dazu kommen noch Erwartungen, die einem seit dem Kindergarten beigebracht werden. Nach der Schule sollst du studieren, arbeiten, Geld verdienen, heiraten und Kinder kriegen, damals nannte man es noch Mutter-Vater-Kind-Spielen. Denn genau dieser Ablauf soll optimal sein. Allerdings ist damit ein großer Druck verbunden. Um Geld zu verdienen, musst du das Richtige studieren. Studienabbrecher werden als hoffnungslos abgestempelt. Aber wie soll man sich aus dem Stand für etwas entschieden, was dein ganzes Leben füllen soll?

Wie soll man so eine Entscheidung zur Zufriedenstellung treffen können?

Es erscheint unmöglich.

Alle reden immer über die vielen Möglichkeiten, die man hat. Dass wir uns glücklich schätzen sollten für diese Auswahl. Doch nur wenige bedenken die Hilflosigkeit, die damit einhergeht. Sie bedenken nicht, dass das eine perfekte Entscheidung unmöglich macht. Sie bedenken die Starre nicht, die einem bei einer zu großen Auswahlmöglichkeit überkommt. Dabei kennt das eigentlich jeder. Man steht im Supermarkt und kann sich nicht entscheiden, was man kaufen will. Man ist unterwegs und kann sich nicht entscheiden, wo man essen gehen will. Oder es erscheint unmöglich sich die perfekten Schuhe kaufen zu können. Denn bei zu viel Auswahl folgt nach einer Entscheidung fast immer eine neue Information, eine neue Möglichkeit. So entsteht ein Kreislauf, der einen zum Stillstand bringen kann.

Aber wie soll man sich dieser Gefahr entziehen?

Ich denke die beste Möglichkeit ist, immer etwas zu tun und einfach vieles zu probieren, anstatt in diesem Kreislauf stecken zu bleiben. Natürlich fühlt man sich etwas hilflos. Aber man kann sich Ziele setzen, Pläne machen und versuchen sie zu verwirklichen. Das gilt nicht nur in dieser Phase des Lebens. Auch im Alter besteht die Gefahr sich selbst zu verlieren. Sie haben gelernt der Entscheidungsvielfalt aus dem Weg zu gehen. Deshalb fällt es vielen Erwachsenen schwer, dem Alltag zu entkommen. Meiner Meinung nach könnten auch hier Ziele hilfreich sein. Sei es auch nur ein Urlaub, eine Feier oder etwas anderes Positives. Wenn man ein Ziel vor Augen hat, fühlt man sich weniger verloren in der Welt. Es gibt einem Boden unter den Füßen. Es ermöglicht einen Weg durch das Labyrinth der Möglichkeiten.