Auch die Bundesregierung ist im 21. Jahrhundert angekommen: Sie unterhält auf Facebook eine rege besuchte Seite, auf der sie überparteiliche Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Über 500.000 Menschen - nicht nur aus Deutschland - haben ihr ein "Gefällt mir" gegeben.

Wie allgemein auf Facebook werden auch hier vor allem Bilder mit Text genutzt, um Botschaften zu transportieren. Diese sind modern und professionell gestaltet. Doch die Auswahl der Themen erstaunt in den letzten Tagen durchaus - zumal an der Bundesregierung abermals die CSU beteiligt ist.

Die hatte jüngst wieder betont, dass ihrer Auffassung nach der Islam nicht zu Deutschland gehört.

Bundesregierung wünscht "gesegneten Ramadan"

Am 15. Mai begann nun der islamische Fastenmonat Ramadan, was die Bundesregierung jedoch dazu bewegte, einen speziellen Ramadan-Gruß an die islamischen Mitbürger zu verbreiten.

Er ist im Titelbild dieses Artikels zu sehen und spaltete auf Facebook die Geister: Über 11.000 Reaktionen verbuchte die Grafik, 4000 Mal wurde sie geteilt. Unter ihr fand eine rege Diskussion darüber statt, warum nun gerade der Ramadan für die Bundesregierung Anlass für eine Reaktion ist.

Werbung für den "Internationalen Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit"

Am 17. Mai ging es mit einem Bild "für Toleranz und gegen Homophobie" weiter. Es ist der "Internationale Tag gegen Homo- und Transfeindlichkeit" - eigentlich lediglich in der Homo-Szene bekannt und von Bedeutung, aber anscheinend wollte die Bundesregierung hier ein Zeichen setzen.

Kein Gruß an Pfingsten - spöttische Kommentare für die, die danach fragen

Nun, am Pfingstwochenende, einem offiziellen Feiertag im Jahreskalender und dem "Gründungsdatum" der christlichen Kirche werden die Facebook-Nutzer hingegen mit einer Grafik zum Insektensterben beehrt.

Kein Wort zu Pfingsten und erst recht keine Grußgrafik: Was davon wohl die CSU hält? Nachfragende User erhalten auf Facebook lediglich eine spöttische Antwort des Facebookteams, dass jeder, der gerade nicht in einem Pfingst-Gottesdienst sitze, hier ganz individuelle Grüße von der Bundesregierung bekäme.

Gesellschaftliche Prioritäten haben sich geändert: Weg vom Materialismus hin zum Idealismus

Warum der Ramadan [VIDEO] eine eigene Grußgrafik wert ist, Pfingsten aber nicht, bleibt auf diese Weise natürlich unbeantwortet. Das Aufsehen um die religiösen Feiertage und die hitzigen Diskussionen um Identität und Kultur zeigen jedenfalls, dass sich die gesellschaftlichen Prioritäten geändert haben. Dies spiegelt sich auch in den Wahlumfragen nieder, in denen die, auf Verteilung materieller Güter bedachten, linken Parteien nicht einmal mehr auf 40 Prozent der Stimmen kommen.