Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es Ärzte, die einen Zusammenhang zwischen akuten Infektionen und darauf folgenden systemischen Syndromen beobachtet haben. Die allseits bekannte Chorea Minor ist hierfür ein Paradebeispiel. Dennoch wurde dieser - mehrere medizinische Fachgebiete umfassende Bereich - seither nie mit jener Intensität erforscht, wie dies bei klarer zu fassenden Erkrankungen der Fall war. Es ist schließlich schlicht und ergreifend leichter und eine dankbarere Aufgabe, wissenschaftlich enger gefasste Erkrankungen zu erforschen, als sich mit komplexen Syndromen herumzuschlagen, die so ziemlich jeden Bereich berühren, den die Medizin aufzubieten hat.

Die Segmentierung der Medizin in verschiedene Fachbereiche ist hier sowohl Segen als auch Fluch zugleich.

Von der Theorie zur PANS-Clinic

Ein in den vergangenen dreißig Jahren, vor allem aber in den letzten zehn Jahren, in den USA intensiv erforschtes Syndrom ist PANS.

Es ist in Deutschland bis heute weitgehend unbekannt, doch die Kunde der neu entdeckten Krankheit bahnt sich langsam aber sicher ihren Weg auch in die Sprechzimmer deutscher Ärzte. An der Universitätsklinik von Stanford in Kalifornien gibt es inzwischen sogar eine spezielle Abteilung zur Behandlung von PANS-Patienten.

Alles, nur keine Kinderkrankheit

Zunächst dachte man, es handele sich bei PANS um eine reine Kinderkrankheit, da das Syndrom stets vor oder in der Pubertät ihren ersten Schub hat; doch weiß man allerspätestens seit epidemiologischen Studien in den 2010er Jahren, dass PANS eine lebenslange Erkrankung ist. Entscheidend ist lediglich, dass der erste Schub vor oder in der Jugend stattfindet. Denn PANS zieht sich häufig im dritten Lebensjahrzehnt, also nach dem Ende der Pubertät für einige Jahre in den subklinischen Bereich zurück, um dann im vierten Lebensjahrzehnt als chronisch fortschreitende Erkrankung wieder aufzuflammen - nicht bei allen, aber bei vielen Patienten.

Die PANS-Diagnose ist leicht zu stellen

PANS ist bis heute eine Ausschlussdiagnose, das heißt es gibt keinen direkten Test. Jedoch kann das PANS-Syndrom von entsprechend fortgebildeten Ärztinnen und Ärzten mit großer Sicherheit souverän gestellt werden. Denn PANS hat ein eigenartiges und außerordentlich charakteristisches Merkmal, das es von allen anderen immunologischen und neuropsychiatrischen Syndromen unterscheidet: PANS beginnt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Genetisch entsprechend veranlagte Patienten entwickeln in der Regel vor dem Abschluss der Pubertät im Rahmen einer Infektionskrankheit, häufig während der Rekonvaleszenz, das volle Symptombild des PANS-Syndroms innerhalb von Minuten, manchmal innert Sekunden, maximal jedoch Stunden.

Wie ein Blitz aus dem Nichts

Einen solch fulminanten Ausbruch muss man bei anderen systemischen Syndromen lange suchen. Sobald also ein Patient über die folgend genannten Symptome berichtet und diese im Kontext eines Infektes blitzartig eingesetzt haben, sollte man unbedingt an die Möglichkeit der Diagnose PANS denken:

  • Denkstörungen
  • Symptome ähnlich einer Zwangserkrankung
  • Kognitive Störungen
  • Tics und Hyperkinesien
  • Probleme mit der Feinmotorik
  • Sensorische Dysfunktionen
  • Störungen des REM-Schlafes
  • Sonstige Bewegungsstörungen
  • Massive Ängste
  • Ein gestörtes Verhältnis zur Nahrungsaufnahme

Sowie im späteren Verlauf kryptische Symptome im weit gefassten Bereich der inneren Medizin, der Dermatologie, der Augenheilkunde und der Endokrinologie.

Typische Sekundärsymptome

Wir sehen im Erstschub also Symptome, die bei einer Schädigung der Basalganglien im Gehirn auftreten. Bei unbehandelten Patienten, vor allem bei Erwachsenen mit Wiederauftreten der Symptome um das vierte Lebensjahrzehnt, kommt eine lange Liste von sich addierenden chronischen, aber auch passageren Symptomen hinzu, die jedes Organ betreffen können, in dem das Immunsystem eine Rolle spielt - also überall im Körper. Besonders jedoch an der Haut, der Leber, den Augen, dem Herz, den Nieren - und im Bereich der Hormone und Botenstoffe. Hier sieht man besonders oft eine isolierte Erhöhung des Adrenalins im Serum sowie eine Störung des Serotonin-Kynurenin-Stoffwechsels.

Keine Heilung aber Linderung

Alleine schon die Organe durch etablierte Medikationen vor einer Belastung durch Hormon- und Botenstoffverschiebungen zu schützen, kann die Prognose eines PANS-Patienten positiv beeinflussen. Je früher und konsequenter man behandelt, desto später und milder manifestieren sich mögliche sekundäre Organschädigungen.

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Dieser Artikel dient der Information und nicht der Selbstdiagnose! Wenn Sie glauben, krank zu sein, gehen Sie bitte umgehend zum Arzt.