Wenn man heute insbesondere im Internet aktiv wird, dann muss man erst die allgemeinen Geschäftsbedingungen durchlesen und bestätigen, dass man diese akzeptiert. Ähnlich ist es z.B. mit Versicherungspolicen. Viele Seiten mit viel Text und nicht alles ist dabei in einer lesbaren Größe gedruckt.

Grundsätzlich ist es ja verständlich, dass sich eine Firma absichern möchte und es auch für beide Seiten Regeln geben muss. Um also gut miteinander klar zu kommen, geht es auch darum, dass diese Regeln eingehalten werden. Nun muss man also rund 20 oder mehr Seiten lesen, um zu wissen, was man darf und was nicht. Doch wer bitte kann sich das immer alles merken, was da so genau steht? Außerdem werden die Bedingungen regelmäßig wieder überarbeitet und angepasst.

Da soll man dann also immer auf dem neuesten Stand sein.

Wenn man sich die Texte genauer ansieht, dann sind diese in einer Sprache geschrieben, die sich für „Ottonormalverbraucher“ nicht erschließt. Selbst studierte Juristen wissen oft nicht, was genau die Kollegen da gemeint haben. Und selbst im Falle eines kollegialen juristischen Austauschs kommt man selten zu einer Einigung. Oft haben drei Juristen hierbei fünf Meinungen. Gut, aber wir, die wir weder die Zeit haben, das alles zu lesen, zu verstehen und dann noch zu beachten, müssen dies immer alles abhaken, um überhaupt etwas machen zu können.

Das ginge vielleicht ja noch alles, wenn man sich hiermit nur mit wenigen Fällen befassen müsste; aber weit gefehlt.

Es gibt doch gerade im Internet fast keine Plattform mehr, die sich nicht vorher die Bedingungen bestätigen lässt und zuvor deine E-Mail-Adresse und ein Passwort haben möchte.

Auf das Thema mit den Passwörtern möchte ich hier nicht besonders eingehen – es ist ein ganz eigenes.

Gehen wir also davon aus, dass ein durchschnittlicher Internetnutzer bei 10 solcher Plattformen, Apps oder Netzwerken aktiv ist. Gehen wir weiter davon aus, dass die Geschäftsbedingungen so 20 Seiten umfassen. Das sind dann also 200 Seiten, die wir im Schnitt zu beachten haben. Im Monat wird es zudem rund 30 Seiten mit Änderungen geben. Außerdem müssen wir bei neuen Regeln die alten ja wieder vergessen.

Da die meisten Nutzer hiervon nur sehr wenige Seiten annähernd verstehen, bleiben also sehr viele Seiten, die wir nicht genau kapieren und folglich nicht in Gänze beachten können. Wir sind also dazu verdammt, zu hoffen, dass wir alles richtig machen. Na, dann ist es doch ohnehin egal, ob wir diese vorher gelesen haben. Außerdem können wir ja davon ausgehen, dass der Inhalt immer so gestaltet ist, dass im Zweifel die Firma gut dabei wegkommt - soweit der hausinterne Jurist gründlich gearbeitet hat.

Mal ehrlich, macht das dann noch Sinn, dass wir uns das alles vorher genau ansehen?

Ich habe mich mal auf einem Netzwerk eingeloggt, das nur etwa eine Seite an Regeln aufgestellt hat, um sich dort im Sinne aller bewegen zu können. Täglich aber fand ich Nutzer, die sich nicht an selbige hielten. Dabei war nicht immer erkennbar, ob sie die Regeln nicht gelesen oder verstanden hatten, ihnen eine Übersetzung fehlte oder sie die Vorgaben einfach lieber missachten wollten. Da seitens der Organisation im Einzelfall sehr selten auf diese Mängel hingewiesen wurde, machten viele so weiter, als gebe es diese Regeln nicht. In der Folge fingen dann auch die anderen an, dies nicht mehr so genau zu nehmen.

Ein bisschen Ironie zum Abschluss: Es wäre also schön, wenn man für den Umgang mit Regeln mal was regeln würde....