Es waren spannende Tage während der Sonderklausur des Zentralkommittees der Christian Universal Life Church in Boston, Vereinigte Staaten von Amerika. Spannend auch für die Freikirche Deutschland als integraler Teil der “Weltkirche des 21. Jahrhundert”, die ihren Mund keineswegs zu voll nimmt als eine der größten webbasierten Kirchen der Welt. Die Zahl der Mitglieder nimmt exponentiell zu, das Global Missionary Center wird von Anfragen nach Gründungen von Ortsgemeinden geradezu überrannt. In mehr als 80 Nationen ist die Christian Universal Life Church jetzt vertreten. Eine Ehre, eine Bürde, ein Erfolg für das moderne Christentum; aber auch ein Grund den eigenen deutschen Weg zu verteidigen [VIDEO].

Wo Freikirche Deutschland draufsteht, ist Freiheit drin!

Aufgrund des massiven Zustroms von neuen Mitgliedern und Gemeinden aus Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Südamerika hat sich die soziale Struktur an der Basis der Kirche massiv gewandelt. Eine Reaktion Seiner Eminenz Elias I., des Supreme Leader der Weltkirche [VIDEO], war die Berufung von Dr. Dr. Ari Samaria zum zweiten globalen Stellvertreter. Samaria hat den Ruf, einer der reaktionärsten Theologen zu sein. Er strebt ein Urchristentum an und spricht in einer manchmal verstörenden Klarheit. Der Supreme Leader der Christian Universal Life Church hatte ihn als Gegengewicht zum europäisch-liberal dominierten Zentralkommittee an seine rechte Seite geholt, weil für Elias I. eine inklusive Kirche ein hohes Gut ist, wie er mit den Worten “die weiße Taube des Heiligen Geistes und des Friedens kann nur mit zwei Flügeln fliegen”, deutlich machte.

Konservativer, dogmatischer und evangelikaler?

Die Angst der Europäer vor einem “Rechtsschwenk” in “ihrer” Christian Universal Life Church war dennoch groß. Auch im Zentralkomitee gab es hitzigste Debatten. Schlussendlich hat der Supreme Leader nach Anhörung der Leiterin der Glaubenskonkgregation das letzte Wort. Doch auch sie, Reverend Agnetha, gilt als Hardlinerin. Somit wurde die Nervosität speziell in der sehr liberalen Freikirche Deutschland fast täglich spürbar größer. Man wollte einen etwaigen Weg ins Evangelikale hinein nicht mitgehen, “nur” um den neuen afrikanischen und südamerikanischen Protagonisten einen Gefallen zu tun.

Delegation reiste zum Supreme Leader!

So reiste im neulich extra eine Delegation der Freikirche Deutschland in die Vereinigten Staaten, besuchte das Global Missionary Center, den Bishop für die Amerikas und wurde vom Supreme Leader zu einer Debatte empfangen. Dabei wurde klar, dass Elias I. die Christian Universal Life Church aus dem libertären Spektrum in den Bereich den mitfühlenden Konservatismus zu führen beabsichtigt und die klassischen Dialoge mit bestimmten anderen Religionen abbrechen wird.

Die deutsche Delegation machte deutlich, dass sie diesen Weg nur ungern mitgehen würde.

Naive Ideen naiver Westler

Mit ihrer Forderung nach einer “weitestgehenden Föderalisierung” der Christian Universal Life Church holte sich die deutsche Delegation eine peinliche Abfuhr ab und fing sich eine strenge Rüge des Supreme Leader ein. “Die funktionierenden Strukturen der Weltkirche bleiben unangetastet. Wer die Axt an die Grundpfeiler unserer Kirche legt, versteht nichts von der Welt, die immer bedrohlichere Züge annimmt”, betonte Elias I. Seine Eminenz erinnerte daran, dass Europa trotz all seiner Probleme nach wie vor eine “Insel, Gott nicht immer ausreichend dankbar erscheinender Träumer ist, denen es sehr gut geht.” Sollte die Delegation zum Jammern gekommen sein, sei sie umsonst angereist. Das klingt hart, ist aber eine gewiss wenig verwunderliche Aussage des Supreme Leader, der eine Kirche mit Menschen aus dutzenden Kulturen beisammenhalten muss.

Doch noch ein Sieg!

Doch mit leeren Händen kamen die Deutschen dann noch nicht heim. Sie bleiben zwar integraler Bestandteil der Christian Universal Life Church und werden weiter aus dem Global Missionary Center heraus geleitet. Doch wurde vom Supreme Leader verbindlich zugesichert, und zwar als von Dritten nicht auffhebbare Executive Order, dass ausschließlich deutsche Theologen liberaler Ausrichtung die Freikirche Deutschland organisieren und führen werden. Die deutsche Delegation reiste damit zufrieden nach Hause.

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#Von Till Feldmann, zurzeit Praktikant im German Department des Global Missionary Center.