Statistiken sprechen eine eindeutigere Sprache als US-Präsident Trump, der einerseits Importzölle auf Aluminium und Stahl [VIDEO]verhängte, am G7-Gipfel in der kanadischen Stadt Malbaie (in der Nähe von Québec) aber auch von einer zollfreien G7-Zone ohne Barrieren spricht. Nur um sich kurz Luft zu verschaffen, als die anderen Gipfelteilnehmer auf ihn einredeten, ihm versuchten - auf diplomatische Art und Weise - die Kurzsichtigkeit seiner eigenen Entscheidungen vor Augen zu führen? Oder ist sich Trump letztendlich selbst nicht sicher, wie er das amerikanische Handelsdefizit aus den tiefroten Zahlen führen kann?

US-Handelsdefizit: Welcher Kurs ist hilfreich?

Auf dem liberalen Weg, mit zollfreien Zonen, die Wirtschaftsbündnisse und Welthandel stützen und fördern.

Oder, so wie er es sich vorstellt, mit bilateralen Abkommen, wenn zum Beispiel kein neuer, ausgewogener NAFTA-Vertrag mit Kanada und Mexiko ausverhandelt werden kann. Momentan setzt Trump den bereits eingeschlagenen, restriktiven und reaktionären Kurs fort, um über Importzölle die US-Handelsbilanzen aufzubessern.

Wer den US-Präsidenten kennt, schließt eine plötzliche Kursänderung nie aus. Denn unter Trump sind (wirtschafts)politische Entscheidungen vorweg einmal nicht zu Ende gedacht. Demnach kann er auch kein Verfechter einer linientreuen, eindeutigen Politik sein. Genau genommen ist es ihm egal, ob sich andere Wirtschaftsmächte auf die USA verlassen können oder nicht. Er ist er, und er hat nun einmal keine Strategie. Trump´sches Tempelhüpfen im politischen Entscheidungslabyrinth ist die Folge. Und wer sich auf seinen politischen Zickzack-Kurs nicht einstellen kann, der ist doch bitte selber schuld.

Zuerst kommt die US-Handelsbilanz. Sie hat im ersten Trump-Jahr (2017) ein Rekorddefizit von 862 Mrd. US-Dollar erreicht. Nur vor zehn Jahren war das Ungleichgewicht zwischen Ex- und Importen noch höher.

Zahlen, die beim Unternehmer Trump zu cholerischen Anfällen hinter verlossenen Tür führen. Zornig und ungehalten, wütend und jähzornig wie ein kleines Kind, holt er zum politischen Rundumschlag aus. Mit harscher Rhetorik, beispiellosen Beschimpfungen und unüberlegten Drohungen (auf Twitter) eröffnet er den Handelskrieg mit China und mit der Europäischen Union. Dabei mag er legitime Interessen seiner Wählerschichten vertreten, mit den Midterm-Wahlen im kommenden November liebäugeln, sein Ansatz ist und bleibt aber grundlegend falsch. Zudem ist der wichtigste Wirtschaftspartner China viel zu mächtig. Das Handelsbilanzminus mit den Chinesen betrug 2017 sagenhafte 375 Milliarden US-Dollar.

Welthandel: Allein gegen alle

Trump und sein Wirtschaftsberater Peter Navarro sind sich einig: Alle Handelspartner sind böse, sobald sie mehr in die USA exportieren als aus den Vereinigten Staaten importieren. Das klingt eher nach Neid und Missgunst. Ähnlich wie die Annahme, der internationale Handel muss auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen.

Wenn das nicht der Fall ist, dann liegt das auschließlich an den unfairen Praktiken der amerikanischen Handelspartner, ist das Weiße Haus überzeugt. Ihnen hat Trump den Kampf angesagt. Koste es, was es wolle. Ohne dabei einen Streitschlichtungsantrag bei der Welthandelsorganisation (WTO) auch nur anzudenken. Importzölle auf Aluminium und Stahl sind erst der Anfang im Handelskonflikt. Dem folgt ein Handelskrieg, sobald Trump 25 Prozent Importzölle auf Autos erheben wird, wie er bereits angedroht hat.

Ein Handelskrieg gegen die Chinesen, gegen die zweitgrößte Wirtschaftmacht und den zugleich größten Gläubiger der USA, ist mit Sicherheit nicht zu gewinnen. Demnach lässt sich auf diesem Weg auch die amerikanische Handelbilanz nicht von roten auf schwarze Zahlen umfärben. Handelsüberschüsse oder Handelsdefizite lassen sich - aus ökonomischer Sicht - nicht per se als gut oder schlecht einstufen. Weltweit wachsender Wohlstand in den Industriestaaten setzt globalen Handel voraus. Handelsbarrieren sind Hemmnisse, die den Wirtschaftsaufschwung einbremsen. Aber auch eine Unterteilung in Sieger und Verlierer, in gute und bösen Buben, die der Weltwirtschaft dienen oder ihr schaden, bleibt ein naiver Gedankenansatz.

Wenn eine solche Analyse kompetent sachlich begründet und diplomatisch vorsichtig formuliert am G7-Gipfel dargelegt wird, dann wendet sich Trump ab, besteigt den Flieger und beschimpft den Gastgeber per Tweet. Ein Zeichen von Argumentatiosnotstand, der in Trumps Emotionswelt ein "Jetzt erst recht" auslöst?

Er verbeißt sich gerne in eine Idee ohne ihre Konsequenzen zu bedenken, sein Scheuklappenblick sieht nur die Entwicklung der nationalen Handelsbilanzen und die bevorstehenden November-Wahlen. "America first" und hinter mir das weltgrößte Chaos.

US-Handelsdefizit: Der Weg aus der Krise

Das US-Handelsbilanzdefizit ist langsam angewachsen, es lässt sich nicht schnell und schon gar nicht unüberlegt umkehren. Wer mehr exportieren möchte, der muss sich für verbesserte Handelsbeziehungen einsetzen. Vor allem sollten neue Absatzmärkte erschlossen werden. Drohungen, Unzuverlässigkeiten und Strafzölle bilden dafür keine erfolgsversprechende Ausgangsbasis. Um Importe reduzieren zu können, muß das Konsumverhalten der US-Bürger schrittweise auf "Made in USA" eingeschworen werden. Nicht durch manipulative Kampagnen, sondern primär durch Qualitätssteigerungen. Gleichzeitig müsste Herr Trump nachhaltig in die heimische Industrie investieren, um schon bald mit (importierten) chinesischen Produkten konkurrenzieren zu können. Einige Branchen werden deshalb kostengünstiger im Ausland produzieren lassen - auch dafür sind verbesserte Handelsbeziehungen hilfreich. Amerikanische Unternehmen im Ausland mit kurzfristigen Steuererleichterungen wieder in die USA zurückzuholen, steigert die Kokurrenzfähigkeit ihrer Produkte am internationalen Markt in keiner Weise.

"America first" wird nur erfolgreich sein, wenn "Global Trade" ein vergleichbar wichtiges Ziel ist.