Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Importzölle in der Höhe von 25 Prozent auf Aluminium und Stahl aus der Europäischen Gemeinschaft [VIDEO] zu verhängen, ist nur eine weitere Entscheidung, die an Kurzsichtigkeit kaum zu überbieten ist. Der US-Präsident liebt seine destruktive Handelspolitik wie sich selbst und es kümmert ihn auch nicht wenn die Weltordnung gefährdet oder letztendlich zerstört wird. Er muss der Welt nicht einmal eine Alternative anbieten, denn er fühlt sich nur dem Slogan "Amerika first" verpflichtet.

Nach dem Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, nach der einseitigen Aufkündigung des Atomdeals mit dem Iran, nach der provozierenden Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und nach der jüngsten Strafzollentscheidung, - Trump ist in aller Munde.

Das wollte er auch so, die Konsequenzen sind ihm egal. Hauptsache der Narzisst kann sich in Szene setzen - das geht am Parkett der internationalen Politik primär mit Irrationalität.

Gleichzeitig verharrt die EU seit Monaten in Schockstarre. Sie hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass Trump seinem Wahlkampfgerede kurzsichtige Hüftschusspolitik folgen lässt. Die Starfzollentscheidung gegen die Europäische Union bezeichnete Kommisionspräsident Jean Claude Juncker "als schwarzen Tag" und wirkt dabei ernsthaft besorgt. Zu Recht?

Handelskrieg: Einigkeit ist das Gebot der Stunde

Dass Trumps aggressive Handelspolitik nun im Handumdrehen dazu führt, dass die EU-Mitgliedstaaten plötzlich geeint und entschlossen auftreten, ist und bleibt eine sehr vage Hoffnung. Zweifel daran sind leicht zu begründen: Denn spätestens seit der Flüchtlingskrise wissen wir, dass die Union eher auseinanderdriftet und ihre Mitgliedsstaaten nationale Interessen schnell über einen möglichen europäischen Kompromiss stellen.

Demnach ist die vorrangige Frage, kann sich die EU überhaupt auf Gegenmaßnahmen einigen, die früherstens Mitte Juni in Kraft treten könnten.

Geplante Einfuhrzölle auf Produkte wie Harley Davidson, amerikanischen Whiskey und Jeans "made in USA" sind nur kleine Nadelstiche, die eine Wirtschaftsgroßmacht nicht einmal bemerkt. Ein effektiverer Gegenschlag würde aber unweigerlich einen weltweiten Handelskrieg nach sich ziehen. Trump wartet nur darauf, seine nächsten Schritte mit den EU-Maßnahmen gegen die USA begründen zu können, selbst wenn diese nur den kleinsten gemeinsamen europäischen Kompromiss darstellen, der sich erzielen ließ, - die Handelskriegsspirale dreht sich schnell und schnell immer schneller.

Handelskrieg: Deutschland im Interessenkonflikt

Zudem: Wen die verhängten US-Importzölle weniger hart treffen, der wird eher für harte Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA stimmen. Deutschland ist verständlicherweise zurückhaltend und wird sich auch sehr behutsam der Importzoll-Debatte annähern.

Vor allem, weil Trump bereits Starfzölle auf Autoimporte prüfen lässt - das würde die deutsche Autindustrie ins Mark treffen. Gegenüber dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat der US-Präsident bereits betont, er werde den Handelskrieg gegen Europa solange weiterführen, bis "kein Mercedes mehr auf der ´Fifth Avenue´ zu sehen ist."

Vergessen wir auch nicht, dass das sunnitische Saudi Arbabien bereits einen Vergabestopp für Regierungsaufträge an deutsche Großkonzerne verhängt hat, weil sich Merkel & Co., um den Atomdeal mit dem schiitischen Iran zu retten, für ein Fortführen der wiederbelebten Wirtschaftsbeziehungen einsetzen. Die deutsche Wirtschaft kommt also bereits zum Handkuss, weil Trump den Atomdeal platzen ließ.

Andererseits hat sich Merkel in den letzten Jahren immer für gesamteuropäische Entscheidungen eingesetzt, war immer bemüht so viele EU-Staaten wie nur möglich ins Boot zu holen. Nun könnten aber deutsche Interessen zumindest eine Bremswirkung auf einen harten gemeinsamen EU-Gegenschlag haben.

In jedem Fall wäre es naiv zu glauben, dass Trump keine Importzölle auf Autos verhängen wird, nur weil sich die Europäische Union (möglicherweise) auf eine sanfte Antwort im beginnenden Handelskrieg einigt.