Wer in seinem Leben schon einmal Opfer eines Tricksers geworden ist, hat sich mit Sicherheit vorgenommen, nie wieder auf die Masche eines Blenders hereinzufallen. Man ist fest entschlossen, fremden Menschen, denen man im Privatleben oder im Beruf begegnet, künftig mit besonderer Vorsicht zu begegnen, um die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen, bevor es wieder einmal zu spät ist und man sich erneut von Lügen und Manipulationen [VIDEO] hat blenden lassen. Diese Schutzhaltung ist nachvollziehbar, reicht aber in vielen Fällen als Verteidigungsstrategie nicht aus.

Denn: Auch unter den Tricksern gibt es solche, die ihr perfides Handwerk besser verstehen als andere. Die Meister unter ihnen haben ein besonders gutes Handicap in ihrem fragwürdigen Metier.

Das Handicap des Tricksers

Das Handicap eines Tricksers ist das, was man in der Kriminalistik eine unglaubwürdige Schutzbehauptung nennt. Es sind fadenscheinige Ausreden, die das Gegenüber in eine Rolle locken sollen, in der es das Gefühl bekommt, den Trickser retten zu müssen. Dem aber geht es schlicht darum, Mitleid bei seinem Opfer zu erzeugen, um seinen Willen durchzusetzen und dabei unangenehme Konfrontationen zu vermeiden. Dabei setzt der Blender sein manipulatives Verhalten ganz geschickt immer dann ein, wenn andere Manipulationstechniken versagen.

Das Handicap des Tricksers legt — wie beim Golf die Spielstärke — seine Verantwortungs- und Einsatzstärke fest. Während man beim Golf allerdings stolz auf ein niedriges Handicap und damit auf eine hohe Spielstärke ist, ist der Trickser an einem möglichst großen Handicap und damit an einer möglichst niedrigen Verantwortungseinforderung interessiert.

Denn dann darf er viel öfter zu- und abschlagen, ohne dafür zahlen zu müssen – also ohne die Konsequenzen zu tragen.

Die Mitleids-Masche

Der Trickser verwendet sein Handicap, um im Machtpoker [VIDEO] die Verantwortung auf die anderen Beteiligten zu verteilen. Egal was schief läuft: In den Augen des Tricksers tragen immer die anderen die Schuld. Sein Handicap soll den Blender rechnerisch angleichen. Damit kann er durchaus gegen sein Opfer gewinnen, auch wenn dieses besser spielt, kompetenter und zuverlässiger handelt und stärker ist. Das Handicap ist im Prinzip nichts weiter als die gute alte Mitleids-Masche. Im Notfall wird dann auch schon mal in tränenreicher Verzweiflung das persönliche Handicap präsentiert. Und dann ist plötzlich kein Raum mehr für die Anfragen oder Forderungen von Kollegen oder Vorgesetzten. Wer hier nicht hellwach ist und die Situation durchblickt, wird sich schnell dabei ertappen, mit dem Trickser mitzufühlen, seine Angst zu teilen und ihn zu trösten.

So mancher Trickser entpuppt sich als eine wahre „Zitronenpresse“: Er schlägt die Gefühlssaite an und nutzt die Menschen in seinem Umfeld aus, indem er immer mehr Hilfe und Unterstützung verlangt und dafür immer neue Geschichten vorgaukelt.

Wenn der Retter – sprichwörtlich ausgepresst wie eine Zitrone – nicht mehr „rentabel“ genug ist, entledigt sich der Trickser seiner ohne die geringste Gemütsbewegung. Erst, wenn ein Helfer fallengelassen wird, wie eine heiße Kartoffel, wird den meisten bewusst, dass sie überhaupt ein Opfer geworden sind.

Störung im Unternehmen

Handicap kann alles sein. Bei den Vätern und Müttern unter den Tricksern sind selbstredend die Kinder das größte Handicap. Arbeitgeber, Vorgesetzte, aber auch Kollegen, die vom Blender beispielsweise fordern, rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen oder Überstunden zu machen, um eine Terminsache fristgerecht zu erledigen, müssen sich mitunter gefallen lassen, dass man sie als kinderfeindlichen Karrieristen abstempelt. Es geht aber auch subtiler: Trickser schieben nicht selten einfach den Stress im Alltag, Kopfschmerzen oder eine nicht funktionierende Beziehung vor, um im Job von Zusatzaufgaben ausgenommen zu werden und möglichst glimpflich – soll heißen ohne große Anstrengung – durch den Arbeitsalltag zu kommen.

Was auch immer die Gründe des Tricksers für seine Verantwortungsvermeidung sein mögen – sie sind unannehmbar und das Verhalten unentschuldbar, denn die perversen Manipulationen verursachen ernsthafte Störungen im Team und im gesamten Unternehmen.

Drei Tipps, um sich vor Manipulationen zu schützen, lauten:

  1. Kläre, was die Vertragssituation ist: Wird jeder seiner Seite gerecht? Oder beklagt gerade derjenige Ungerechtigkeit, der selbst ungerecht ist?
  2. Prüfe, wie das Verhältnis von Geben und Nehmen ist: Erkennst Du auch bei sachlicher Prüfung ein Ungleichgewicht?
  3. Und selbst wenn es sich um ein echtes Handicap, vielleicht sogar eine Notlage handelt: Kannst Du Dich und Dein Team tatsächlich damit zusätzlich belasten?