Im Job hat jeder Kollegen, die er mag, und solche, die er weniger mag. Das ist völlig normal. In der Regel deckt sich diese Einschätzung mit dem Gros der Belegschaft. Das gilt vor allem dann, wenn es um beliebte Mitarbeiter geht, die scheinbar niemals anecken und von allen geschätzt werden. Aber genau hier liegt der Haken: Wenn einem nämlich genau solch ein Kollege mal quer kommt, erntet man nicht selten ungläubige Blicke. „Du siehst Gespenster“, oder „Der soll so etwas gesagt haben? Das kann ich mir nun aber beim besten Willen nicht vorstellen.“ Das sind ganz typische Reaktionen der anderen Mitarbeiter, die nur eine Seite des Kollegen kennen – nämlich die sympathische.

Dies ist der Moment, in dem man sich fragen sollte, ob man es im Kollegenkreis mit einem doppelgesichtigen Trickser zu tun hat – quasi einem modernen Mr. Hyde.

Vermutlich hat jeder schon einmal von der Novelle „Der seltsame Fall des Dr.

Jekyll und Mr. Hyde“ gehört. Das Buch des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1886 wurde inzwischen vielfach verfilmt. Die Geschichte des angesehenen Arztes Dr. Jekyll, der nachts seine dunkle Seite als Edward Hyde auslebt, ist das perfekte Beispiel für einen Menschen mit zwei Gesichtern. Gleiches gilt für Janus, den römischen Gott des Anfangs und des Endes, der in der Mythologie mit zwei Köpfen dargestellt wird. Er hat das Wort „Janusköpfigkeit“ für Menschen geprägt, die nach außen hin sympathisch, offen, hilfsbereit und freundlich erscheinen und der Öffentlichkeit stets ihr Sonntagsgesicht präsentieren. Ihr wahres Gesicht – quasi ihre dunkle Seite – bleibt vordergründig verborgen. Die dunkle Seite kommt nur dann zum Vorschein, wenn sich der betreffende Kollege unbeobachtet oder überlegen fühlt.

Ist der sprichwörtliche Vorhang dann gefallen, sieht man die groteske, böse Wahrheit, die sich dahinter verbirgt.

Motiv der Trickser

Janusköpfige Kollegen haben ein ganz klares Motiv: Unter allen Umständen soll der positive Schein gewahrt werden, der dem Trickser seinen Status als beliebter Sonnenschein aufrecht hält– notfalls auch mithilfe perfider Lügen. Alles an diesem Menschen ist mehr Schein als Sein. Das freundliche, gewinnende Gesicht soll allen im Betrieb suggerieren, dass man es hier mit einem tollen, sympathischen Kerl zu tun hat, der immer bereit ist, zu Hilfe zu eilen, wenn es irgendwo brennt, dem man seine Sorgen anvertrauen kann und mit dem man jederzeit gern ein Feierabendbierchen trinken geht. Das aber ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeigt der Kollege nur dann, wenn er sich sicher sein kann, dass dies sonst niemand mitbekommt. Diese Seite kommt dann zum Vorschein, wenn der Trickser der Meinung ist, es mit jemandem zu tun haben, der ihm nicht das Wasser reichen kann – also vor allem bei denjenigen Kollegen, die in der Hierarchie unter ihm stehen oder von denen er denkt, dass sie dies tun.

Profiler wissen: Auch Menschen, denen der doppelgesichtige Trickser sein wahres Ich offenbart, wurden zuvor mit dem Sonntagsgesicht um den Finger gewickelt. Das führt dazu, dass sich die Opfer des Blenders zunächst einmal gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, wenn der Trickser seine Maske fallenlässt. Nicht selten wird das sympathische Gesicht gerade solange aufgesetzt, bis er seine Forderungen durchgedrückt hat. Denn: Wer kann schon Nein sagen, wenn er von einem augenscheinlich sympathischen, allseits beliebten Kollegen um einen Gefallen gebeten wird? Erst, wenn eine gewisse Abhängigkeit besteht, weil man den Trickser etwa mal um einen Gefallen gebeten hat, den dieser damals – vermeintlich gern – erledigt hat, packt der Kollege seine wahre, brutale Seite aus.

Das, was Menschen, die sich im Kollegenkreis mit einem doppelgesichtigen Trickser herumschlagen müssen, immer wieder erleben, ist die Tatsache, dass ihnen niemand glaubt, wenn sie die dunkle Seite des Kollegen gegenüber den anderen Mitarbeitern zu Sprache bringen. Selbst diejenigen, die schon einmal das wahre Gesicht dieses Kollegen gesehen haben, trauen sich in aller Regel nicht, davon zu berichten – aus Angst, erneut in den Fokus des Tyrannen zu geraten.

An dieser Stelle beginnt so mancher, an sich selbst zu zweifeln. Er denkt vielleicht sogar, er sei selbst Schuld daran, dass der Kollege derart ausfallend geworden ist. Da der Rest der Belegschaft scheinbar ein ganz anderes Bild vom Blender hat, kommen Selbstzweifel auf, die soweit führen können, dass man denkt, man selbst wäre böse – wie sonst könnte man ein derart negatives Bild von jemandem haben, den alle anderen nett, loyal und sympathisch finden? Solch ein Zwiespalt kann im schlimmsten Falle zu einer waschechten Traumatisierung führen.

Gegenstrategien:

Menschen, die den Verdacht haben, es im Kollegenkreis mit einem doppelgesichtigen Trickser zu tun zu haben, sollten folgende Dinge tun:

  1. Klärung: Zunächst einmal gilt es, sich zuzugestehen, dass einen die eigenen Wahrnehmung nicht trügt. Anschließend kann man das Gespräch mit anderem Mitarbeitern suchen und diese nach ihrem Eindruck fragen.
  2. Stabilisierung: Im zweiten Schritt geht es darum, Verbündete zu finden. An dieser Stelle ist Zeit, wieder in die eigene Kraft zu kommen.
  3. Aufdeckung: Wer eine Situation einstielt, in der andere mitbekommen, was der Trickser so treibt, wird nach und nach immer mehr Menschen auf seiner Seite haben. Die Taten an die Öffentlichkeit zerren, lautet hier die Devise.