Eigentlich hat der private Anbieter WetterOnline für ähnliche App-Betreiber einen Bärendienst geleistet. Denn das Landgericht Bonn folgte einer Klage des Anbieters gegen die App vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die mit Steuergelder finanzierte Einrichtung warne seit 2015 in seiner App "Warnwetter" nicht nur vor Wettergefahren, sondern biete weitere Services an, wie Regenradar und Vorhersagen. WetterOnline empfand diese kostenlosen Informationen für wettbewerbsverzerrend. Auch das Landgericht Bonn sah das so und schränkte zusätzliche Angebote neben Unwettermeldungen für den nationalen Wetterdienst Deutschlands in der Gratis-App ein. Wer mehr will, muss fortan einmalig 1,99 Euro für die Premium-Version zahlen.

Jörg Kachelmann kritisiert Dienst

Wenn staatliche Institutionen was auf die Mütze von Gerichten bekommen, kann man sich, zum Beispiel beim Rundfunkbeitrag, dem Rückhalt der Bevölkerung sicher sein. Bei WetterOnline gegen den DWD trifft das nicht zu. Öffentlich wird WetterOnline im Google Play Store scharf angegangen. Nutzer solidarisieren sich dort mit dem DWD und behaupten, dass sie soeben die 1,99 Euro gezahlt hätten. Für WetterOnline ist die Fülle von negativen Bewertungen ein Image-Desaster, was schlimmer nicht sein könnte. Selbst Wetter-Urgestein Jörg Kachelmann bezeichnete WetterOnline als "Fälscher-Wetterdienst" auf seinem Twitteraccount. Hier nur eine Auswahl von Kritiken, die in den letzten Stunden unaufhörlich im Google Play Store gepostet werden.

Meinungen im Google Play Store

Florian S.: "Ich wünsche den Betreibern dieser App, dass die durch das Gerichtsurteil des LG Bonn 'viele' Kunden vom DWD gewinnen können.

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Die App vom DWD ist ganz klar besser. Das war so, ist so und bleibt so. Auch wenn diese nun nicht mehr kostenlos angeboten werden darf."

Tobi K.: (...) Ihr (gemeint WetterOnline, Anm. d. Autorin) solltet erstmal vor eurer eigenen Tür fegen, bevor ihr einen anderen App-Anbieter verklagt. Die (gemeint DWD, Anm. d. Autorin) machen wenigstens ihren Job. Ihr bekommt keinen Cent mehr von mir. Schämt euch!"

Google-Nutzer: "Dank der Klage von WetterOnline gegen den DWD habe ich mich entschieden, WetterOnline die kalte Schulter zu zeigen. Zahle gern die einmalige Gebühr von 1,99 Euro für die DWD-App, die obendrein einen super Service bietet. Tschüss WetterOnline..."

Tom N.: "Ja, das war wohl ein Eigentor. Diese Klage gegen den DWD war ja wohl nicht nötig. Obwohl ich eure Pro-Version habe, fliegt ihr von all meinen Geräten. Dann wünsche ich noch viel Erfolg."

DWD geht in Berufung

Der Deutsche Wetterdienst hat gegen das Urteil Berufung angekündigt. WetterOnline gehörte bisweilen zu einem sehr beliebten Dienst und hatte bis zur Urteilsverkündung sehr gute Bewertungen im Google Play Store. Die Stiftung Warentest bewertete die App am 25. April 2014 mit "befriedigend".