Nicht nur Krieg, auch Hochkulturen hinterließen Spuren in Syrien

Kaum ein Tag vergeht, ohne über Syrien in den Nachrichten zu hören. Bürgerkrieg, IS, internationale Konflikte, Offensiven, Bombardierungen, Tod, Leid und Flüchtlinge sind Tagesthemen aus dieser Region. Dabei hat Syrien noch viel mehr zu bieten. Blühten doch dort einst vielseitige Kulturen im Laufe der Geschichte. Schon in der Urgeschichte begann in diesem Raum eine menschliche Besiedelung und Sippen wurden sesshaft. Aus dem 24. Jahrhundert wurde ein Palast von Archäologen freigelegt, in dem sich Tausende von Tontafeln befanden. Diese Tafeln ermöglichen uns heute einen Einblick in die damalige Verwaltung, Wirtschaft und Politik.

In den folgenden Epochen gaben sich verschiedene Reiche die Klinke in die Hand. Ob nun Neuassyrisches-, Neubabylonisches- oder Persisches Reich, hinterließen sie doch alle auf irgend einer Art und Weise ihre Spuren. Auch Alexander der Große eroberte nach der Schlacht bei Issos das heutige Syrien. Im Jahre 64 vor Christus wurde diese Region zur Römischen Provinz Syrien. Nach der Spaltung Roms, fiel sie an Ostrom. Nach der Begründung des Islam eroberten die Araber im Jahr 636 das heutige Syrien. Aber damit nicht genug. Im Mittelalter spielte diese Gegend eine erhebliche Rolle, während der Kreuzzüge und wurde heiß umkämpft. Im Laufe der Geschichte ging es in dieser Region weiter mit verschiedensten Vorherrschaften unter Ägypten, den Osmanen, den Franzosen bis Syrien letztendlich im Jahr 1946 unabhängig wurde.

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Kulturelle und Historische Kunstschätze

Diese stetigen historischen Wechsel prägten nicht nur die Kultur, sondern hinterließen auch Kunst- und Alltagsgegenstände jener Epochen in syrischer Erde, wo sie noch heute schlummern. Dort warten sie nur darauf freigelegt zu werden, um als Puzzle der Weltgeschichte zusammengesetzt zu werden. Dafür ist eine strukturierte Herangehensweise mit Hilfe qualifizierter Kräfte, wie Archäologen und Historiker, notwendig. Das Fehlen von Artefakten kann eine leere Seite in unseren Geschichtsbüchern zur Folge haben. Archäologische Funde dürfen nie aus dem Kontext gerissen werden, damit sie nicht an Bedeutung verlieren. Der Fundort, die Fundtiefe oder die Bodenverfärbungen verraten oft mehr, als der einzelne Gegenstand. Daher kämpfen Archäologen international gegen Raubgräber. Die Funde der illegalen Grabungen mögen ihren finanziellen Wert haben, der historische Wert aber minimiert sich erheblich.

Illegaler Handel mit archäologischen Zeugnissen der Vergangenheit

Raubgräber und illegale Händler machen sich die Kriegswirren in Syrien zu nutze, um sich an illegalen Kunstschätzen zu bereichern.

Es wird planlos syrische Erde nach Kunstschätzen durchpflügt, um ein Stück vom Kuchen des internationalen Handels abzubekommen. Gut organisiert können auf Wunsch auch gefälschte Papiere zu dem jeweiligen Artefakt angefordert werden. Solange es eine rege Nachfrage an Raubkunst gibt, wird auch das Angebot nicht ausbleiben. Wer bezahlt Unsummen für dieses geraubte Gut? Es sind vor allem private Sammler und Spekulanten, die jene illegalen Gegenstände als am Wert steigende Kapitalanlage sehen. Ein Reporter-Team des MDR fühlte Hehlern dieser illegalen Kulturgüter auf den Zahn, nachdem sie in sozialen Netzwerken ihre Ware anboten. Den Weg finden die Kunstgegenstände von Syrien, über die Türkei, Mazedonien, Österreich und schließlich nach Deutschland. Recherchen zeigten, dass es sich oft um keine Fälschungen, sondern um Originale handelt. In Gebieten, die vom IS kontrolliert werden, soll auch der IS Raubgrabungen fördern, um damit den Krieg zu finanzieren. Die Mitglieder des IS sollen aber nicht direkt als Händler für den Endkunden auftreten, sondern versuchen die heiße Ware vor Ort an Mittelsmänner des Marktes zu veräußern.