Was tun Religionen am liebsten? Genau... sie streiten, wer recht oder rechter hat. Der halbe Nahe Osten steht in Flammen. Wäre das Chaos dort ohne Religion denkbar? Aber wäre eine Welt ohne Religion nicht noch inhumaner? Das Klügste scheint zu sein, einen neuen Weg zu gehen und einfach mal das zu tun, was die Religionsgründer - zumindest die meisten - eigentlich wollten: Frieden, Nächstenliebe und Nachsicht. Sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen hat bislang noch niemandem geholfen.

Auch mal Neues tolerieren?

Einen eher ungewöhnlichen Schritt hat deswegen jetzt die internationale Christian Universal Life Church gemacht, zu der auch die Freikirche Deutschland gehört: sie hat eine kleine harmlose Gruppe Gläubiger als Religion anerkannt und damit - so gewünscht - unter ihre infrastrukturellen Fittiche genommen, ohne in das Innenleben dieser Glaubensgemeinschaft einzugreifen.

Konkret geht es um die Anhänger von Seth bzw. Jane Roberts. Die Lehren von Seth entstanden hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren und werden dem New Age Zeitalter zugerechnet. Doch das täuscht. Das sethische Werk beinhaltet gerade nicht die öberflächlichen New Age Gedankenhäppchen, sondern ist bemerkenswert profund. Zudem hätte Jane Roberts, die Botschafterin Seths in dieser Dimension aus den sethischen Botschaften damals mit Leichtigkeit eine Sekte gründen und damit reich werden können. Gelegenheit, soziale Umstände und der Zeitgeist hätten ihr massiven Rückenwind dafür gegeben. Doch genau das passierte nicht. Sie blieb gelassen, standhaft, bescheiden - und Seth ebenso.

Bloß keine Sekte!

Jane Roberts legte größten Wert darauf, dass aus der Welt von Seth keine Sekte und vor allem kein Kommerz entstand.

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Ihre Niederschriften der sethischen Botschaften veröffentlichte sie zwar über einen Verlag, doch reich wurde sie dadurch nicht. Umgekehrt, sie hat so ziemlich jede Möglichkeit der weiteren Kommerzialisierung fahren und verstreichen lassen. Auf keinen Fall wollte sie eine Sekte gründen, und es geschah auch nicht. Dennoch glauben einige Menschen heute an das sethische Weltbild. Die normative Kraft des Faktischen schuf eine Anhängerschaft der sethischen Lehren, die man getrost als Sethisten (Englisch: Sethists) bezeichnen kann. Sie sind jedoch weder als Religion organisiert, noch anderweitig nennenswert verknüpft.

Huckepack!

Um den Sethisten (Sethists) dennoch ein organisatorische Zuhause zu geben, hat die internationale Christian Universal Life Church als erste Kirche den Sethismus nun als Religion anerkannt. Dies ermöglicht Sethisten (Sethists) eine Nutzung des Kirchenbuches bei Geburten, Hochzeiten und Todesfällen genauso wie die Dienste des Global Missionary Centers in Boston zu nutzen.

Selbstverständlich kostenfrei, wie alles bei der Christian Universal Life Church. Dieses Huckepacknehmen oder “Asyl” anbieten einer christlichen Kirche für eine kleine fremde Glaubensschar hat einen einfachen Grund: Nächstenliebe und Weltoffenheit. Der Sethismus hat in den entscheidenden theologischen Kernbereichen sehr ähnliche Ansichten wie sie auch in den vier Evangelien aus gnostischer Sicht zu finden sind. Die Christian Universal Life Church wird den Sethisten daher nicht in ihren Glauben hineinreden, sondern einfach nur nett sein und ihre Infrastruktur zur Verfügung stellen. Sethisten sollten bei einer Anmeldung allerdings angeben, dass sie Sethisten sind, damit sie richtig erfasst werden. Würden alle Glaubensgemeinschaften so miteinander umgehen, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Oder?