Es ist eine Schande! Besonders, weil es im Zusammenhang mit einer der angesehensten kulturellen Einrichtung in Deutschland steht. Die Hamburger Staatsoper hat eine Sopranistin im vierten Monat ihrer Schwangerschaft gefeuert. Das berichtet die Plattform bento (Spiegel-Verlag) bereits Ende letzter Woche. Dem Online-Magazin bestätigte Julia Fuchs ihren Rauswurf. Die Opernsängerin sollte die Rolle der Pamina in der "Zauberflöte" von Mozart spielen. Ursprünglich hätten für die 33-Jährige diese Woche die Proben begonnen, denn das Stück sollte ab Mai aufgeführt werden. Doch laut Fuchs darf die Sängerin nicht mehr bei der Produktion teilnehmen.

Schwangerschaft korrekt gemeldet

Auf Facebook teilte Julie ihren Fans bereits mit, dass sie über die Entscheidung der Hamburger Staatsoper sehr enttäuscht wäre.

Denn sie fühle sich trotz Schwangerschaft in bester Verfassung, sowohl stimmlich, als auch körperlich. Für Fuchs wäre die Rolle an der Oper ohne Probleme zu stemmen gewesen - trotz kleinem Babybäuchlein. Wie bento weiter berichtete, habe die Sopranistin der Hamburger Staatsoper rechtzeitig ihre Schwangerschaft angezeigt. Julie hat sich also korrekt verhalten. Denn Fuchs wisse, dass für eine Schwangere auch entsprechend Vorkehrungen getroffen werden müssen. Julie Fuchs erklärte dem Magazin weiter, dass man ihr zugesichert hätte, alle Bühnenbedingungen für die werdende Mami anzupassen.

Opernhaus wird im Netz angefeindet

Die Staatsoper in Hamburg habe nun plötzlich doch die junge Mutter vor die Tür gesetzt und die Rolle in Mozarts "Zauberflöte" neu vergeben. Die Einrichtung wird seither mit negativen Kommentaren in den sozialen Netzwerken angegriffen.

Top Videos des Tages

Auch wird der Oper unterstellt, gegen das Gesetz zu verstoßen. Tatsächlich dürfen Frauen wegen einer Schwangerschaft nach dem deutschen Arbeitsrecht nicht gekündigt werden. Welche Klauseln hier der Arbeitsvertrag von Julie Fuchs enthielt, war bei Veröffentlichung des Artikels nicht bekannt. Fakt sei aber, dass sich die Opernsängerin die Rolle zugetraut hätte und der Hamburger Staatsoper auch mitgeteilt hätte, wenn sie gesundheitlich nicht in der Lage dazu gewesen wäre.

Inzwischen teilte Julie mit, dass sie auf Facebook zahlreiche ähnliche Erfahrungsberichte von Frauen erhalten habe. Der künstlerische Leiter des Opernhauses, Tillmann Wiegand, erklärte den Rauswurf in einem von bento veröffentlichen Zitat damit, dass es Szenen in der "Zauberflöte" gäbe, die körperliche Anstrengung erfordern. Diese seien für schwangere Frauen verboten. Warum das der Staatsoper allerdings erst wenige Tage vor der Premiere klar wurde, verwundert dann schon.