Von der Trauer zur Demonstration

Eine Diktatur, die keine absolute Kontrolle über alle Vorgänge im Land hat, verliert an Macht. Um so verwunderlicher war es, als eine unangekündigte und unorganisierte sowie spontane Demonstration am 29. Mai 1940 stattfand. Dabei gingen über 50.000 Trauernde während des Begräbnis von Wilhelm Prinz von Preußen, der während des Westfeldzuges fiel, auf die Straße. Anlässlich der Beisetzung formte sich ein „stummes Spalier“ zwischen der Friedenskirche und dem Antiktempel im Park von Sanssouci. Dies reflektierte die große Sympathie gerade der Bevölkerung und des Offizierkorps für die ehemals regierenden Hohenzollern.

Das gab Besorgnis bei den Nationalsozialisten um die Einbuße von Popularität und Macht. Damit es nicht bei jedem gefallenen Adligen aus dem Königshaus zu solchen Demonstrationen käme, die irgendwann vielleicht nicht mehr zu kontrollieren wären, erließ Hitler den „Prinzenerlass“.

Der „Prinzenerlass“

Der „Prinzenerlass“ von 1940 besagte, dass alle angehörigen Familienmitglieder, der ehemals regierenden Fürstenhäuser, an keinen Kampfhandlungen an der Front teilnehmen durften. Ab 1943 wurden sie generell von der Wehrmacht ausgeschlossen.

Relation zwischen den Nazis und der Monarchie

Adolf Hitler hatte ein gespaltener Verhältnis zur Monarchie. Zwar sendete er zur Beerdigung des ehemaligen Kaisers ein paar hochrangige Präsentanten und einen großen Kranz, doch versuchte er nicht zuviel Wind um den Tod Wilhelm II.

zu machen. War er doch ein Stück vom deutschen Volk ein Stück gelebte Geschichte und die nationalsozialistische Führungsriege wollte keine melancholischen Träume der Monarchie hervorrufen. Der ehemalige Kaiser währenddessen hatte in den Nazi die heimliche Hoffnung, dass sie ihm den Weg zurück nach Deutschland ebneten, nachdem er sein Exil in den Niederlanden fand. Doch diese Hoffnungen platzten, als die ersten Monarchietreuen Opfer der Nazis wurden. Doch weiterhin begrüßte er die Siege der deutschen Wehrmacht, die er als Außenstehender beobachtete. Der Ex-Kaiser gönnte den Nazis als anti-demokratische Macht den politischen und im Zweiten Weltkrieg den militärischen Erfolg.

Wilhelm Prinz von Preußen

Wilhelm Friedrich Franz Joseph Christian Olaf Prinz von Preußen wurde 1906 in Potsdam geboren und starb 1940 in Nivelles. Zum zehnten Geburtstag des Prinzen bekam er von seinem Großvater den Schwarzen Adlerorden und wurde in den Rang eines Leutnants erhoben. Nach der Abdankung seines Großvaters Wilhelm II.

als Deutscher Kaiser und König von Preußen, sowie nach dem Thronverzicht seines Vaters, lebte Prinz Wilhelm in Potsdam und besuchte das städtische Realgymnasium. Danach absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft.

Einen mittleren Skandal löste der Prinz 1926 aus, als er bei einer Militärübung eine Uniform trug. Dafür musste auch der Chef der Heeresleitung zurücktreten, da er Wilhelm das Tragen der Uniform erlaubte.

Im Jahr 1933 heiratete er Dorothea von Salviati. Da sie nicht aus dem selben Stand wie der Prinz kam, verzichtete der Prinz auf das Recht des Erstgeborenen und somit auf eine mögliche Thronfolge. Er galt als großer Hoffnungsträger der monarchistisch-konservativen Opposition gegen das Nazi-Regime. Im Zweiten Weltkrieg nahm der Prinz als Oberleutnant der Reserve am Frankreichfeldzug teil, wo er schwer verwundet wurde. Drei Trage später erlag er seinen Verletzungen.