Der Kalte Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte davon ausgegangen werden, dass das deutsche Volk kriegsmüde war und aus der Geschichte gelernt hätte. Und doch befanden sich die halbe Welt inmitten des Kalten Krieges, in dem sich der sozialistische orientierte Ostblock und der kapitalistische Westblock gegenüberstanden. Schon 20 Jahre nach Kriegsende heizte sich das Weltgeschehen wieder so sehr an, das es ordentlich brodelte. Eine internationale Unsicherheit und die Angst vor einem Militärschlag war in jener Zeit auf beiden Seiten spürbar.

Westdeutschland mit dem Drang nach C-Waffen

Im Jahr 1963 bat der damalige Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel im Geheimen die Regierung der Vereinigten Staaten um die Belieferung mit chemischer Munition, dem anfänglich das Pentagon nachkommen wollte.

Doch dann sah das US-Außenministerium den politischen Umfang und die Risiken dieser Nachfrage. Das Thema war so heikel, dass nur der US-Präsident die Entscheidung treffen konnte. Nach vielen Diskussionen und Jahre später, wurde die Abgabe von Chemiewaffen an die Bundesrepublik Deutschland abgelehnt. Die USA ließen sich aber die Option offen, ihre Verbündeten im Ernstfall mit C-Waffen zu beliefern.

Westdeutschland war wie besessen, chemische Munition zu besitzen, um einem möglichen Chemie-Angriff des Ostens etwas entgegensetzen zu können. Die geplante Aufrüstung war auf 14.000 Tonnen chemischer Sprengmunition angedacht. Diese sollten im Fall der Verwendung durch Artillerie und Luftwaffe zum Einsatz kommen. Im Sandkasten und in Gedankenspiele wurden von der geheimen „Studiengruppe ABC-Wesen“ theoretische Manöver durchgeführt, bei denen ein fiktiver C-Waffen-Angriff des Warschauer Pakts mit einem chemischen Gegenangriff durchgespielt wurde.

Bei diesen Planübungen wurden die verheerenden Auswirkungen in einem solchen Fall ersichtlich.

Genfer Protokoll

Das „Protokoll über das Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege“ vom 17. Juni 1925 ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der den Einsatz von chemischen und biologischen Waffen verbietet. Nicht inbegriffen im Vertrag ist der Besitz oder die Herstellung dieser Waffen. Dieses Abkommen ist das Resultat der Anwendung chemischer Waffen im Ersten Weltkrieg. Schon damals war es ein Bruch der „Haagener Landkriegsordnung“ und gegen das „Völkergewohnheitsrecht“. Nach dem Krieg wurde Deutschland und auch anderen Mittelmächten der Besitz oder die Produktion von chemischen Waffen untersagt, während dieses Verbot für andere Länder nicht galt. Bis März 2012 sind 136 Staaten und der Heilige Stuhl Vertragsparteien des Abkommens. Das Genfer Protokoll ist in seiner Kategorie der längste unveränderte noch bestehende Vertrag.