Der König von Bayern

Ein exzentrischer König der in seiner eigenen Phantasie gefangen war, hat weltweit vor allem durch sein Märchenschloss Neuschwanstein einen hohen Bekanntheitsgrad erworben. Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Wittelsbach, König von Bayern, wurde am 25. August 1845 geboren und ertrank am 13. Juni 1886 unter mysteriösen Umständen im Würmsee, der heute Starnberger See heißt.

Schon in seiner Kindheit faszinierten ihn Bausteine, mit denen er Kirchen und Klöster konstruierte. Durch die Wandgemälde seiner unmittelbaren Umgebung, in der er aufwuchs, kam er mit der Sagenwelt des Mittelalters in Berührung, die ihn fesselte und zeitlebens nicht mehr losließ.

Begeisterung empfand er auch, als er 1861 die Opern „Tannenhäuser“ und „Lohengrin“ von Richard Wagner sah. Er war ein Schöngeist, der auch die Literatur liebte.

Nach dem Tod des Vaters, bestieg Ludwig im Alter von 18 Jahren als Ludwig II, König von Bayern, den Thron. Von Anfang an förderte er die Kultur. Als früher Anhänger von Richard Wagner, förderte er ganz besonders ihn. Er beglich seine angehäuften Schulden und finanzierte ihm auch das Musikdrama „Der Ring der Nibelungen“. Später half er Wagner bei der Verwirklichung eines Festspielhauses. Der König ließ sich Opern von Wagner für sich alleine aufführen. Als Politiker überzeugte er nicht immer und die Kriegspolitik, wenn es um militärische Auseinandersetzungen ging, war ihm zuwider. Die übergab er lieber seinen Ministern. Er gab sich lieber den schönen Künsten hin und romantisierte in seinen Schlössern, von wo aus er seine Regierungsgeschäfte regelte.

Im Jahr 1868 erhielten die Juden in Bayern durch den König eine rechtliche Gleichstellung. Obwohl er Wagner mochte, waren seine antisemitischen Anschauungen für König Ludwig II nicht nachvollziehbar.

Der exzentrische König

Der König von Bayern war zwar verlobt, heiratete aber nie. Letztendlich wurde die Verlobung auch aufgelöst. Das Interesse am anderen Geschlecht war recht gering. Das Tagebuch Ludwig II. lässt sogar darauf schließen, dass er homosexuell gewesen sein könnte. Er flüchtete sich lieber in seine Märchenwelt und entwarf Prunkbauten. 1868 fing der König an, die Idee von Neuschwanstein zu visualisieren. Der Grundstein wurde dann 1869 gelegt. Die Ideen und Ansprüche an das Schloss kannten keine Grenzen und die Kostenvoranschläge mussten des Öfteren geändert werden. Die Fertigstellung des gigantischen Baus verzögerte sich immer wieder und die Konstruktion verschlang Unsummen an Geld. Nach Verhandlungen mit Otto von Bismarck bekam der König als Dank für den Kaiserbrief heimliche finanzielle Zuwendungen.

Der Bau wurde nicht aus der Staatskasse, wie so oft behauptet, sondern aus dem Privatvermögen Ludwig II. finanziert, weswegen auch immer neue Kredite aufgenommen werden mussten. Aus den 3,2 Millionen Mark des Kostenvoranschlags wurden es schnell sieben Millionen Mark. Die Fertigstellung erlebte der bayrische König zu Lebzeiten nicht mehr. Heute ist es ein begehrtes Ziel für Touristen und im Ausland der Inbegriff deutscher Sehenswürdigkeiten.

Das Ende eines Märchenkönigs

Die Streitigkeiten über die Prachtbauten des Königs und dessen Verschuldung veranlasste die bayrische Regierung, den König zu entmündigen und daraufhin von all seinen Ämtern abzusetzen. Die Entmündigung wurde durch ein ärztliches Gutachten einer Ferndiagnose ohne persönliche Untersuchung erstellt. Eine eindeutige Unzurechnungsfähigkeit war laut Aussage von Personen seiner Umgebung nicht auszumachen. Das lässt die Mutmaßung zu, dass es sich um ein Komplott gehandelt haben könnte. Nachdem Ludwig am 13. Juni 1886 vermisst wurde, fand ihn ein Suchtrupp im seichten Wasser des Starnberger Sees. Bis heute halten die Spekulationen über seinen Tod an.