Emma Goldman

Am 27. Juni 1869 wurde Emma Goldman in Kowno, im damaligen Russischen Reich geboren. Heute heißt die Stadt Kaunas und befindet sich in Litauen. Ihrer Zeit weit voraus, machte sie sich international einen Namen als aktive Anarchistin, Friedensaktivistin und feministische Theoretikerin. Vor allem in den Vereinigten Staaten spielt sie eine wichtige Rolle für die politische Philosophie. Themen ihrer Schriften befassten sich mit der Homosexualität, der Freien Liebe, der Ehe, des Kapitalismus, dem Atheismus und vielen anderen Themen, mit denen sich zu jener Zeit ungern auseinandergesetzt wurde.

Das Leben der Emma Goldman

In den ersten Kinderjahren wuchs Emma Goldman im Russischen Reich auf.

Vom siebten bis 14. Lebensjahr besuchte sie im ostpreußischen Königsberg die Schule und wohnte bei der Großmutter. Danach zog sie mit ihrer Familie nach Sankt Petersburg, wo sie in einer Fabrik arbeitete. Sie spürte das erste Mal am eigenen Leib die Ungerechtigkeit und Ausbeutung, denen das Proletariat ausgesetzt ist. Dort kam sie erstmals mit revolutionären Ideen und mit Anarchisten [VIDEO] in Kontakt.

Mit 17 Jahren emigrierte sie in die USA. Dort musste sie mit ansehen, welcher staatlichen Brutalität die Arbeiter ausgeliefert wurden, wenn sie für ihre Rechte demonstrieren wollten. Noch mit den anarchistischen Ideen aus Russland im Gepäck, schloss sie sich der anarchistischen Bewegung in den USA an und entpuppte sich als begnadete Rednerin. Mit ihrer rhetorischen Fähigkeit schaffte sie es tausende Menschen zu fesseln.

Als sie so auch in New York vor 5.000 Arbeitslosen sprach, um ihnen ihre Rechte klarzumachen, brachte es ihr wegen „Anstiftung zum Aufruhr“ ein Jahr Gefängnis ein.

Doch das bremste sie nicht in ihren Aktivitäten. Sie fing an, Schriften herauszubringen, wobei es um unbequeme Themen ging, die auf die Gesellschaft schockierend wirkten. Sie hielt Vorträge im ganzen Land. Und immer wieder widmete Goldman sich dem Thema der gesellschaftlichen Stellung der Frau und ihrer Gleichberechtigung. Dabei forderte sie die Selbstbestimmung, die Geburtenkontrolle durch Verhütung und das Recht auf Abtreibung. Nach einem Vortrag über Geburtenkontrolle wurde sie zu zwei Wochen Haft verurteilt, da sie Schriften zur Verhütung verteilte, was zu jener Zeit illegal war.

Nach einer Anti-Kriegsversammlung, während des Ersten Weltkrieges, wurde sie wieder verhaftet. Dieses Mal bekam sie zwei Jahre Gefängnis. Danach folgte die Abschiebung nach Russland.

Obwohl sie anfänglich die Bolschewiki unterstützte, lernte sie den roten Terror der Kommunisten mit ihrer Idee von der Diktatur des Proletariats kennen und distanzierte sich von diesem System.

Nach zwei Jahren verließ sie Russland und ging nach England, wo sie auch Vorträge über die Revolution in Russland hielt. Durch die Ehe mit dem schottischen Anarchisten James Colton erlangte sie die britische Staatsbürgerschaft und umging somit der Ausweisung.

Im Jahr 1934 durfte sie für eine Vortragsreihe unter Auflagen wieder die USA einreisen. Nach dieser Reise zog sie nach Frankreich und verfasste dort ihre Autobiografie. Während des spanischen Bürgerkrieges wollte sie etwas gegen die Franquisten unternehmen und verlagerte ihre Aktivitäten nach Spanien.

Das Erbe

Am 14. Mai 1940 starb Emma Goldberg im kanadischen Toronto an den Folgen eines Schlaganfalls. Sie hinterließ der Welt ihr Erbe des Kampfes für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Mit ihrer Ablehnung des Staates und der Religion sowie auch der kapitalistischen Wirtschaftsform trat sie für eine horizontale und hierarchielose Weltordnung ein. Als Vorkämpferin für Gleichberechtigung entfachte sie ein Feuer der Emanzipation. Noch heute werden ihre Schriften gelesen und haben kaum etwas von ihrer Aktualität verloren.