Pflichtverteidiger fordern Freilassung von Zschäpe

Seit Mai 2013 dauert nun schon der NSU-Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe, der zwei Bombenanschläge, zehn Morde und 15 Raubüberfälle zur Last gelegt werden. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) bestand laut Bundesanwaltschaft nur aus drei Personen. Die 43-jährige Beate Zschäpe sei die einzige Überlebende. Nun haben die Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe die sofortige Freilassung gefordert, da sie von den Morden freizusprechen sei und sie lediglich wegen einfacher Brandstiftung verurteilt werden könne.

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So hieß es am Dienstag im Plädoyer des Rechtsanwaltes Wolfgang Heer im Münchner NSU-Prozess.

Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Der Nationalsozialistische Untergrund, kurz NSU abgekürzt, war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland, die um 1999 gebildet wurde und bis zum Jahr 2011 existierte.

Diese Gruppe bestand aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Ab 1998 tauchten sie nach einer Fahndung durch die Polizei in Chemnitz und Zwickau unter, um ihren politischen Kampf aus dem Untergrund heraus zu betreiben. Es wird geschätzt, dass sie auf 100 bis 200 Unterstützer in ganz Deutschland zählen konnten. Angetrieben von rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven ermordeten sie zwischen den Jahren 2000 und 2007 neun Migranten und eine eine Polizistin. Um an ihre Ziele zu gelangen verübten sie direkte Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle.

Die Mitglieder der Organisation stammen alle der aus Jena. Sie lernten sich in einem Jugendzentrum kennen wo sie nach einiger Zeit wegen ihrer immer stärkeren politischen Radikalisierung Hausverbot erhielten. Sie sprühten Hakenkreuze an die Wände und Mundlos sowie auch Böhnhardt stolzierten mit SS-Uniformen durch Winzerla, das sie als „national befreite Zone“ sahen.

Mit einer SA-ähnlichen Uniform besuchten sie die Gedenkstätte des KZ Buchenwald und erhielten daraufhin Hausverbot. Das Trio unterhielt Kontakte zu verschiedenen Gruppierungen der rechten Szene.

Nachdem die Drei durch Volksverhetzung, versenden von Briefbombenattrappen mit einigen Gramm TNT, allerdings ohne Zünder, und weiteren Auffälligkeiten, in das Visier der Polizei gerieten, wurde nach einer Garagendurchsuchung Haftbefehl gegen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe erlassen. Daraufhin gingen sie in den Untergrund und mieteten sich mehrere Wohnungen, zogen öfter um und überfielen einen Supermarkt, Postfilialen und Sparkassen, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren. Von weiteren illegalen Einnahmequellen wird ausgegangen.

Zwischen September 2000 und 2006 wurden neun Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund [VIDEO] ermordet. Es wurde direkt auf sie mit Schalldämpfer geschossen. Zuerst ging die Polizei von gezielten Hinrichtungen aus und ermittelte im Umfeld der Opfer. Am 25. April 2007 kam es zu einem Mord an einer 22-jährige Polizistin.

Ihr Kollege überlebte schwer verletzt einen Kopfschuss.

Einen Sprengstoffanschlag verübte der NSU 1999 in Nürnberg mit einer Taschenlampe, die zur Rohrbombe umfunktioniert wurde und einen weiteren 2011 in Köln. Ein Nagelbombenattentat gab es 2004 in Mühlheim (Köln).

Das Ende des NSU

Nach einem Überfall auf die Wartburg-Sparkasse in Eisenach wurde die Polizei nach Aussagen aus der Bevölkerung auf die Täter aufmerksam, die in ihr Wohnmobil flüchteten. Als die Polizei sich dem Wohnmobil näherten, hörten sie zwei Schüsse aus dem Inneren. Kurz darauf schlugen aus dem Wohnmobil Flammen. Es konnten nur noch die Leichen von Mundlos und Böhnhardt geborgen werden, die anhand der Fingerabdrücke und der DNA identifiziert wurden. Zum Verlauf, was in diesem Wohnmobil geschah, gab es viele Spekulationen. Nachdem Zschäpe vom Tod der beiden Freunde erfahren haben soll, gab es in einer NSU-Wohnung in Zwickau eine Explosion. Dadurch wurden viele Beweismittel vernichtet. Nach einigen Tagen stellte sie sich der Polizei.