Sicherstellung von Rizin in Köln

Wenn es in einem zivilen Hochhaus von Beamten und Spezialkräften mit Schutzanzügen und Atemschutzmasken wimmelt, dann ist das keine alltägliche Situation. Das geschah gestern in Köln, als dem Verdacht nachgegangen wurde, dass in einer Privatwohnung biologische Kampfmittel hergestellt werden. Aufmerksam wurden Sicherheitsbehörden, als ein in Köln lebender Tunesier über das Internet 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle bestellte. Der 29-Jährige soll mit den Samen hochgiftiges Rizin hergestellt haben. Nach der Erstürmung der Wohnung, in der er mit seiner Frau und Kindern wohnte, wurde auch eine Rizin-haltige Substanz sichergestellt.

Bis jetzt spricht nichts für die gezielte Planung eines Anschlages. Auch scheint er keiner terroristischen Gruppe anzugehören. Es steht nicht fest, ob überhaupt ein anschlag mit dieser Substanz geplant wurde. Das Robert Koch-Institut stufte Rizin als potenziellen biologischen Kampfstoff“ ein. Selbst in geringer Konzentration kann Rizin tödlich wirken.

Rizin

Rizin ist ein Protein mit giftigen Eigenschaften, das aus den bohnenähnlichen Samen des Wunderbaums, Ricinus communis, gewonnen wird. Pro Samen wird mit einem Rizingehalt zwischen ein und fünf Prozent gerechnet. Dieser Wunderbaum gehört zu den Wolfsmilchgewächsen und wurde 2018 zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Wenn das giftige Rizin in dem menschlichen Organismus gelangt, sterben die kontaminierten Zellen ab. Wird es oral eingenommen, reicht schon eine geringe Menge von 0,3 bis 20 Milligramm von isolierten Rizin für eine tödliche Vergiftung.

Diese Substanz wurde in der Liste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.

Während des Ersten Weltkrieges erforschten die Vereinigten Staaten von Amerika den Einsatz von Rizin. Da der Erste Weltkrieg beendet wurde und die Forschung auch noch nicht abgeschlossen war, kam Rizin auch nicht zum Einsatz. Rezin fällt unter die Biowaffenkonvention von 1972 und unter die Chemiewaffenkonvention [VIDEO] von 1997, bei der diese Substanz aufgelistet ist.

Anwendung von Rizin

Das hochgiftige Rizin fand bei diversen Anschlägen oder Anschlagsplanungen Verwendung, wie zum Beispiel beim legendären Regenschirmattentat 1978, als eine Regenschirmspitze vom bulgarischen Geheimdienst mit Rizin präpariert und auf offener Straße den bulgarischen Journalisten und Dissidenten Georgi Markow in London in den Oberschenkel gestochen wurde. Der Journalist erlag wenige Tage später dieser Vergiftung im Krankenhaus.