Vergiftungen durch Pausenbrote

Es hört sich an wie aus einem Kriminalroman, nur leider ist es keine Fiktion, sondern pure Realität, was sich bei einem Armaturenhersteller ereignete. Nachdem Mitarbeiter dieser Firma im ostwestfälischen Schloß Holte-Stukenbrock auffallend oft an Herzinfarkten und Krebserkrankungen gestorben waren, war dies schon seltsam. Als ein mysteriöses Pulver in einem Pausenbrot gefunden wurde, hat das Unternehmen in Absprache mit dem Betriebsrat gehandelt.

Es wurde in Bielefeld eine 15-köpfige Mordkommission ins Leben gerufen, um nun 21 Fälle seit dem Jahr 2000 zu untersuchen. Dabei sollen sowohl die Familienangehörigen als auch behandelnde Ärzte befragt und Krankenakten eingesehen werden.

Danach wird entschieden, ob die Leichen exhumiert und untersucht werden.

Überführung

Als einem 26-jährigen Mitarbeiter ein verdächtiges Pulver auf seinem Brotbelag auffiel, wurde im Aufenthaltsraum des Unternehmens eine versteckte Kamera installiert. Diese Überwachungskamera hielt fest, wie ein 56 Jahre alter Mitarbeiter versuchte, die Mahlzeit seines Kollegen abermals mit einem Pulver zu versehen. Nachdem das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen Analysen vorgenommen hat, wurde bestätigt, dass Bleiacetat auf die sichergestellten Brote gestreut wurde. Die Menge war ausreichend, um schwere Organschäden zu provozieren. Bleivergiftungen sind schwer nachzuweisen, da die Symptome auch anderen Krankheiten zugeordnet werden können. Wenn allerdings gezielt daraufhin bei exhumierten Leichen gesucht wird, ist der Nachweis möglich.

Der Tatverdächtige sitzt seit Mai in Untersuchungshaft. Die Firma beschrieb ihn als „auffällig unauffällig“. Er arbeitete schon 38 Jahre lang in diesem Unternehmen. Über das Tatmotiv ist nichts bekannt.

Bleivergiftung

Bleivergiftungen können durch metallisches Blei oder Bleiverbindungen hervorgerufen werden. Bei einer kontinuierlichen Aufnahme von geringen Mengen von Blei durch die Nahrung, kann es zu chronischen Vergiftungen kommen, da Blei nur langsam ausgeschieden wird und sich somit im Körper anreichern kann. Es schädigt das Nervensystem und kann zu organischen Schäden führen. Durch Tierversuchen wurde es als krebserregend eingestuft. Schon früh wussten die Menschen um das Gesundheitsrisiko durch Blei. Im 19. Jahrhundert wurde der Zusammenhang von Blei und Darmkoliken durch den französischen Marinearzt Amédée Lefèvre nachgewiesen, was auf das Trinken aus bleihaltigen Bechern hervorging. Nachdem Verbessungsvorschläge des Arztes durch das Marineministerium umgesetzt wurden, gab es weniger Fälle von Bleivergiftungen. Damals starben auch oft Maler an den Folgen von Bleivergiftungen, da viele Farben Blei enthielten.