Razzia in Dresden

Am Dienstagmorgen wurden die Wohnungen von neun mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremen Vereinigung „Freie Kameradschaft Dresden“ durchsucht. Insgesamt stehen zehn Männer im Alter zwischen 24 und 47 Jahren im Verdacht unter anderem gegen Flüchtlinge und Andersdenkende Straftaten begangen zu haben. Die Razzia hatte den Zweck Beweismittel sicherzustellen. Seit etwa drei Jahren wird gegen die „Freie Kameradschaft Dresden“ ermittelt, wobei es um die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Heidenau im August 2015 geht. In diesem sächsischen Ort kam es bei einem Protest gegen die Eröffnung einer Einrichtung für Asylbewerber zu gewaltsamen Auseinandersetzungen [VIDEO], wobei auch mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen „Gruppe Freital“ beteiligt waren.

Dabei wurden mehr als 30 Polizisten verletzt. Es wurden daraufhin bereits einige der Rechtsextremen zu Strafen verurteilt. Zahlreiche Verfahren laufen noch.

Freie Kameradschaften

Freie Kameradschaften sind informell organisierte rechtsradikale Gruppen, die autonom aber untereinander stark vernetzt sind. Laut des Bundesamtes für Verfassungsschutz gibt es etwa 150 Kameradschaften mit je fünf bis zwanzig Mitgliedern. Alleine in Sachsen sollen 40 freie Kameradschaften mit etwa 1800 Mitgliedern existieren. Das Konzept dieser Gruppierungen entstand in den 1990er Jahren, nachdem viele rechtsextreme Vereinigungen und Parteien verboten wurden. Sie kopierten die Struktur der „Organisierung ohne Organisation“ von der autonomen Szene und der Antifa. Freie Kameradschaften sind vor allem bei Demonstrationen anzutreffen und auch in der Anti-Antifa-Arbeit sind sie sehr aktiv.

Viele bekennen sich zu den Idealen des Nationalsozialismus und verstehen sich als „politische Soldaten“. Rekrutiert werden vor allem Personen auf Rechtsrock-Konzerten, wo Mitglieder verstärkt Präsenz zeigen.

Rechtsextremismus

Rechtsextremismus ist eine Sammelbezeichnung von Ideologien mit starken neofaschistischen, neonazistischen oder ultra-nationalistischen Tendenzen, meistens kombiniert mit dem Stolz einer ethnischen Zugehörigkeit. Es kommt bei den meisten zu einer Infragestellung der Gleichheit aller Menschen. Dabei werden Menschen in Rassen, Kulturen, Gesinnung und Herkunft klassifiziert. Politisch setzten sie auf eine autoritäre Führung mit hierarchischen und zentralistischen Strukturen innerhalb eines Nationalstaats. Einheitliches Denken und Handeln ist das Ziel, es gäbe dann keinen Raum für Individualismus. Der Rechtsextremismus ist ein internationales Phänomen, das in vielen Ländern anzutreffen ist.