Erich Kurt Mühsam

Nur wenige in der breiten Bevölkerung können etwas mit dem Namen Erich Mühsam anfangen. Und doch war und ist er eine Bereicherung der deutschen Kulturszene.

Geboren wurde er am 6. April 1878 in Berlin, wuchs aber in Lübeck auf. Schon in seiner Kindheit entdeckte er das Interesse am Schreiben und verfasste mit elf Jahren Tierfabeln. Mit 15 Jahren trat er mit einem satirischen Programm als Clown in einem Zirkus auf. Wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ wurde er 1896 von der Schule verwiesen, da er interne Schulinformationen an eine Zeitung weitergab.

Verpasse keine News mehr Folge dem Deutschland-Kanal

Nachdem er das Gymnasium mit der Mittleren Reife verließ, begann er eine Apothekerlehre.

Sein revolutionäres Leben

Mühsam zog 1901 nach Berlin, wo er zusammen mit seinem Lebenspartner Johannes Nohl, einem Schriftsteller, lebte und in seinem erlernten Beruf tätig war.

Ein Jahr später wurde er Redakteur bei „Der arme Teufel“, einer anarchistischen Zeitschrift und 1905 auch bei „Der Weckruf“. Dadurch bewegte er sich immer mehr in einigen Künstlergruppen wie zum Beispiel in der literarischen Künstlervereinigung „Die Kommenden“ und auch in anarchistischen Kreisen, wie in der Kommune „Neue Gemeinschaft“, an der politisch aktive Künstler, Lebensreformer und Anarchisten teilnahmen. Dies eröffnete Erich Mühsam neue Horizonte und er begann 1904 mit seinen Wanderjahren die bis 1908 andauerten. Dabei hielt er sich in Ascona, München, Paris, Zürich, Norditalien und Wien auf. 1909 ließ er sich in München-Schwabing nieder, wo er die Gruppen „Tat“ und „Anarchist“ gründete, die dem „Sozialistischen Bund“ angehörten. Am 15. September heiratete er Kreszentia Elfinger. 1918 wurde Mühsam zu sechs Monaten Festungshaft wegen des Verstoßes gegen das politische Betätigungsverbotes verurteilt.

Er war Ende 1918 Mitglied im Revolutionären Arbeiterrats der Münchner Räterepublik. Beim Palmsonntagputsch am 13. April 1919 wurde er festgenommen. Nach der Zerschlagung der Räterepublik wurde Mühsam zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. Im Jahr 1924 fiel er unter eine Amnestie und wurde vorzeitig entlassen. Während seiner Haft, setzte er sich für die Verständigung zwischen Anarchisten und Kommunisten ein. Als er dann aus der Haft entlassen wurde, hielt der Kommunist Wilhelm Pieck für den Anarchisten [VIDEO]Erich Mühsam eine Begrüßungsrede. Nach seiner Haftzeit zog er wieder nach Berlin und brachte die anarchistische Zeitschrift „Fanal“ heraus. Durch den Einfluss eines sehr guten Freundes, Rudolf Rocker, trat Erich Mühsam in die anarcho-syndikalistische FAUD ein.

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde er 1933 von der SA in „Schutzhaft“ genommen und 1934 im Konzentrationslager Oranienburg von der SS ermordet. Er wurde verprügelt und mit einer Giftinjektion getötet.

Die Leiche wurde auf der Toilette aufgehängt, damit es wie Selbstmord aussehe.

Erich Mühsam in der heutigen Zeit

Das abenteuerliche Leben, das Reflektieren der Gesellschaft, die Auseinandersetzung mit dem Krieg und den Klassendifferenzen sowie das soziale Ungleichgewicht verarbeitete Mühsam in seinen Gedichten, Publikationen und Theaterstücken. Noch heute werden seine zeitlosen und sozialkritischen Gedichte als Lieder und seine Schriften als Hörbücher vertont.