Fast die Hälfte der Rentner bezieht weniger als 800 Euro

Wie real ist die Altersarmut? Ist sie nur eine gefühlte Einbildung die auf Angstmacherei für schlecht informierte Bürger basiert? Doch Zahlen sind Fakten. In Deutschland müssen 48 Prozent, also 8,6 Millionen Menschen und somit fast jeder zweite Rentner, mit weniger als 800 Euro pro Monat auskommen. Von denen sind 27 Prozent Männer und 64 Prozent Frauen. Etwa 11,3 Millionen Rentner, was 62 Prozent entspricht, haben weniger als 1000 Euro monatlich zur Verfügung. Laut Berichten wurden bei diesen Zahlen zwar der Abzug der Sozialversicherungen berücksichtigt, nicht aber die Steuern. Diese Zahlen gehen aus dem Bundesarbeitsministerium nach einer Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Mit dem Blick auf diese Zahlen sorgt die Statistik bei den nachkommenden Generationen für Beunruhigung.

Das Rentensystem in Deutschland

Die gesetzliche Rentenversicherung [VIDEO](RV) in Deutschland formt einen Part des Sozialversicherungssystems, der die Altersvorsorge von Beschäftigten umfasst. Damit haben Versicherte und die Hinterbliebenen Anspruch auf eine Rente, wenn diversen Voraussetzungen erfüllt sind. Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland funktioniert nach einem Umlageverfahren. Der aktuelle Beitragssatz beträgt seit dem 1. Januar 2018 18,6 Prozent. Bei der Einführung der Rentenversicherung im Jahr 1891 betrug er 1,7 Prozent. Der Beitragszahler zahlt nicht für die eigene Rente, sondern für die der Rentenbezieher. Dieses System ist recht anfällig bei einem demografischen Wandel oder in Krisenzeiten.

Die Geschichte

Nachdem es in der Geschichte erste Ansätze für Sozialversicherungen in Gilden und Zünfte gegeben hatte, wurde 1854 eine Rente in der Knappschaft des Bergbaus, eingeführt und vereinheitlicht. Die Bergarbeiter wurden zur Einzahlung von Beiträgen verpflichtet.

Der Reichstag führte laut Gesetzesbeschluss ab dem 1. Januar 1891 eine Rentenversicherung für Arbeiter ein. Eine Altersrente gab es ab dem 70. Lebensjahr bei der Voraussetzung einer Betragszahlung von 30 Jahren bei einer für damals üblichen 60-Stunden-Woche. Es sei zu bedenken, dass zu jener Zeit die Lebenserwartungen nicht so hoch waren wie heute. Finanziert wurde die Rente zu einem Drittel von den Arbeitnehmern, dazu kam der Arbeitgeberanteil und Steuergelder. Anfänglich galt die Pflichtversicherung nur bei einem Jahreseinkommen von 2000 Mark, als der durchschnittliche Monatslohn 80 Mark betrug. Lange Zeit erfolgte die Nachhaltung der Rentenversicherung durch Beitragsmarken, die erworben werden mussten und in eine Quittungskarte eingeklebt wurden.