Spekulation über ein Massengrabes unter einem Spielplatz

Am Donnerstagvormittag haben Archäologen in Norderstedt einen Spielplatz untersucht, nach dem Hinweise eingegangen waren, dass sich unter dem Spielplatz ein Massengrab aus der Zeit des Nationalsozialismus [VIDEO]befinden könnte. Dazu wurde ein Areal von acht bis zehn Meter mal anderthalb Meter ausgegraben. Es kamen bei dieser Grabung sehr junge Artefakte, wie zum Beispiel Keramikreste aus dem 20. Jahrhundert, zutage. Am Nachmittag wurde eine weitere Fläche untersucht. Auch dort gab es keine Anzeichen auf menschliche Überreste.

Seit der Bekanntgabe über Spekulation eines Massengrabes im Mai, wurde der Spielplatz gesperrt.

Da keine Knochen oder andere menschlichen Überreste bei dieser Untersuchungen gefunden wurde, wird der Spielplatz so bald wie möglich wieder hergerichtet werden.

Die Aktion wurde aufgrund der Aussage einer Anwohnerin durchgeführt. Sie sei in den 60er-Jahren im Stadtteil Harksheide aufgewachsen und es wurden immer wieder Knochen gefunden, so berichtete sie. Damals ging das Gerücht in der Siedlung um, dass es sich um menschliche Überreste aus der Zeit des „Dritten Reichs“ handeln könnte. Die Vermutung ging dahin, dass es sich um Opfer aus dem Euthanasie-Programm einer nahe gelegenen Heilanstalt handeln könnte.

Massengräber

Die Möglichkeit der Entdeckung eines Massengrabs aus jener Zeit ist gar nicht so weit hergeholt. Noch heute werden Massengräber aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur [VIDEO]entdeckt.

So gab es erst im Jahr 2006 einen Fall in Menden, wo ein Grab mit 20 Skeletten von Kindern und fünf Skelette von Erwachsenen gefunden wurde. Zwei Schädel ließen eindeutig auf eine Behinderung der Kinder schließen, worauf vermutet wurde, dass es sich um Opfer der Euthanasie handeln könnte. Die Kinder lagen durcheinander und ließen auf kein Beerdigungsritual schließen. Auch in diesem Fall wurden Gerüchte aus der Bevölkerung nachgegangen.

Euthanasie im "Dritten Reich"

Der Begriff „Euthanasie“ wurde von den Nazis für die Tötung angeblich „nicht lebenswerten Leben“ genutzt. Der Rassenwahn kannte keine Grenzen. Zwischen 1939 und 1941 fielen in den sogenannten Tötungsanstalten Grafeneck, Bernburg, Hartheim, Hadamar, Brandenburg und Pirna etwa 70.000 Menschen zum Opfer. Nach 1941 brach das Töten nicht ab. In angeblichen Heil- und Pflegeanstalten wurden viele Patienten mit einer Injektion ermordet.