Letzte Anhörung

Seit dem 6. Mai 2013 läuft schon der NSU-Prozess, nun ist ein Ende der Verhandlung in Sicht. Heute kam es nach mehr als fünf Jahren und 437 Verhandlungstagen zum Schlusswort. Das Urteil wird am 11. Juli verkündet werden. Verhandelt werden neun Morde an Migranten, ein Polizistenmord, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Angeklagt sind fünf Personen, die an der rechtsextremen Terrorgruppe des "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) beteiligt gewesen sein sollen. Als mutmaßliche Haupttäterin dieser neonazistischen und terroristischen Vereinigung steht Beate Zschäpe vor Gericht.

Die Hauptangeklagte

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe distanzierte sich in ihrem Schlusswort von der rechten Szene.

In ihrer Aussage vor dem Oberlandgericht München bekräftigte sie, dass rechtes Gedankengut für sie „gar kein Bedeutung“ mehr spiele. Die Schuld für die verübten Morde gab sie den beiden bereits toten Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Durch Selbsttötung konnten sie sich der Verantwortung entziehen. Zschäpe bat den Vorsitzenden Richter darum, sie nicht stellvertretend als Mittäterin zu verurteilen, da sie diese Taten weder gewollt noch ausgeübt habe. Während die Bundesanwaltschaft bei der Hauptangeklagten eine Mittäterschaft sieht und lebenslange Haft mit Sicherheitsverwahrung fordert, hält sie die Verteidigung bei den Morden und Anschlägen für unschuldig. Der 11. Juli wird zeigen, wie das Gericht urteilt.

Beate Zschäpe

Beate Zschäpe wurde 1975 in Jena geboren. Als mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund [VIDEO] (NSU) wird ihr zur Last gelegt an diversen Verbrechen der rechtsextremen NSU mit beteiligt gewesen zu sein.

Doch wie kam es dazu?

Nach dem Abschluss der zehnten Klasse begann sie eine Tätigkeit als Malergehilfin. Später absolvierte sie eine Lehre als Gärtnerin mit Fachrichtung Gemüsebau. In ihrer Jugend hatte sie zuerst Kontakt zur eher linken Punkszene. Nachdem sie allerdings Uwe Mundlos kennenlernte und eine Beziehung zwischen den beiden begann, bekam sie Kontakt zur Thüringer Neonazi-Szene. Sie brachte sich aktiv in der rechten Szene ein. So formte sie Teile der Kameradschaft Jena, nahm an bundesweiten Aufmärschen teil, meldete politische Demonstrationen an und beteiligte sich an Hetzjagden auf Andersdenkende. Nach einer Hausdurchsuchung im Jahr 1998 wurden bei Zschäpe und ihren beiden Freunden Mundlos und Böhnhardt Waffen, Sprengstoff und Propagandamaterial gefunden. Die Durchsuchung war der Anlass, dass die drei Freunde in den Untergrund gingen. Von dort aus agierten sie als NSU.