Der Prozess

Seit Jahren wurde gespannt auf das Urteil im NSU-Prozess gewartet. Bereits seit dem 6.Mai 2013 läuft der Strafprozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe [VIDEO] und vier weiteren Angeklagten, die der terroristischen Vereinigung NSU geholfen haben sollen. Die Anklageschrift umfasst 488 Seiten, die Verfahrensakten enthielten bis Juli 2014 etwa 486.000 Seiten, die monatlich durch teils mehrere Hunderte weitere Seiten ergänzt wurden. Seit der Wiedervereinigung ist es in Deutschland das größte Strafverfahren. Heute kam es nach einem lang andauernden Prozess zur Urteilsverkündung.

Die Urteile

Die 43-jährige Beate Zschäpe wurde durch das Oberlandesgericht in München des zehnfachen Mordes für schuldig gesprochen und es wurde die Höchststrafe verhängt.

Weiterhin wurde sie wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung für schuldig befunden. Lebenslang bedeutet eine Freiheitsstrafe von mindestens 15 Jahren, danach kann sie zur Bewährung ausgesetzt werden. Von einer Sicherheitsverwahrung war bei der Urteilsverkündung nicht die Rede.

Auch wurden die Urteile der vier Mitangeklagten verlesen. So erhielt Ralf W. eine Haftstrafe von zehn Jahren. André E. erhielt 2,5 Jahre Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Wegen Beihilfe zum versuchten Mord wurde er nicht für schuldig befunden. Auch wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung wurde Holger G. zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Er hatte zugegeben, das Trio des NSU mit einer Waffe und falschen Papieren versorgt zu haben.

Drei Jahre erhielt auch Carsten S., der gestand, die Waffe beschafft zu haben, mit der neun Menschen erschossen wurden. Da der Angeklagte zur Tatzeit noch ein Heranwachsender war, wurde er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt.

Der NSU

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war eine neonazistische terroristische Vereinigung, die um 1999 gegründet wurde. Die Gruppe bestand aus den Mitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe [VIDEO], die alle drei aus Jena stammten. Zwischen den Jahren 2000 und 2007 gingen neun Morde an Migranten und ein Mord an einer Polizistin auf das Konto des NSU. Sie verübten weiterhin Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Sie agierten aus dem Untergrund heraus. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt wurden tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden und entzogen sich so der Verantwortung an die begangenen Taten. Der NSU war bundesweit vernetzt und konnte mit 100 bis 200 Unterstützern rechnen.