Dass der internationale Kunstmarkt nicht gerade durch Transparenz geprägt ist, ist hinlänglich bekannt. Daher ist es keine Überraschung, dass es im Kunsthandel nicht immer mit rechten Mittel zugeht. Wie diverse Skandale in den letzten Jahren gezeigt haben, wimmelt im es in diesem Sektor von Betrügern, die als Mittelsmänner für Kaufinteressenten mit Wucher absurde Summen Geld verdienen oder gefälschte Kunstwerte an den Mann bringen.

Mehr Nachfrage, mehr Betrug

In den letzten Jahren ist die Zahl dieser unlauteren Machenschaften gestiegen – genauso wie deren finanzielles Ausmaß. Der Grund dafür sind nicht nur die extreme Undurchsichtigkeit und die laxe Gesetzeslage bzw.

die fehlende Einhaltung geltender Gesetze. Einen ebenso großen Anteil trägt die sich seit Jahren stetig erhöhende Nachfrage nach Kunstobjekten. War der Kunstmarkt früher traditional die Domäne des Adels und, im Laufe der Moderne, der kunstbewanderten Fachleute, ist seit Mitte der achtziger Jahre der private Sammler hinzugekommen.

Diese neue Nachfrage brachte schnell neue und gewiefte Betrüger auf den Plan. Das Problem: ob jemand seriös oder betrügerisch handelt, ist im abstrusen Dschungel des Kunstmarktes nicht immer einfach zu erkennen. Ein besonders kurioser Fall, der seit Jahren die Kunstwelt in Atem hält, ist der des Schweizer „Freeport-Königs“ Yves Bouvier. Durch illegale Preisaufschläge von 50 bis 80 Prozent pro verkauftem Gemälde, ist er der Protagonist in einer Saga, die seitdem als die „Bouvier-Affäre“ der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

Die „Bouvier-Affäre“

Bouvier hatte seit 2003 als Vermittler für den russischen Unternehmer Dmitrij Rybolowlew gearbeitet und soll diesen über die Jahre hinweg um eine knappe Milliarde Dollar geprellt haben. Dem Nachrichtenmagazin Stern zu Folge hatte Bouvier „seine Insiderkenntnisse eingesetzt, um Kunstwerke zu akquirieren und mit teils 50 Prozent Aufschlag weiterzuverkaufen“, anstatt die branchenüblichen zwei bis fünf Prozent Vermittlungsgebühr zu verlangen.

Das Business-Verhältnis der beiden Männer nahm ein abruptes Ende, als Rybolowlew erfuhr, dass Bouvier ihm Leonardo DaVinci’s Meisterwerk „Salvator Mundi“ mit einem Aufschlag von 47,5 Millionen Dollar für einen Gesamtpreis von 127,5 Millionen verkaufte – obwohl Bouvier das Gemälde von Sotheby’s für „nur“ 80 Millionen für Rybolowlew erworben hatte.

Recherchen des Stern behaupten, dass der russische Milliardär im Jahre 2014 den tatsächlichen Einkaufspreis für ein Amedeo-Modigliani-Gemälde herausfand, für das Rybolowlew 118 Millionen Dollar bezahlt, aber das Bouvier dem New Yorker Hedgefonds-Manager Steven Cohen einst für 93,5 Millionen Dollar abgeworben hatte.

Mit der Befürchtung, dass Bouvier die Preise systematisch überzogen hatte, zeigte Rybolowlew schließlich Yves Bouvier 2015 an. Seitdem laufen Ermittlungen in Monaco, Frankreich, den USA und der Schweiz gegen ihn.

Im Markt wimmelt es von Fälschungen

Auch wenn viele Mittelsmänner betrügerisch handeln – und Bouvier mag ein extremer Fall sein – so endet das Betrugs-Problem nicht bei ihnen. Immer öfter sind es die Kunstwerke selbst, die Gegenstand internationaler Ermittlungen werden. Fälschungen sind so zahlreich und von solch exzellenter Qualität, dass sie selbst Experten und Händler täuschen.

In Deutschland sorgte der Fall Wolfgang Beltracchi im Jahr 2011 für Schlagzeilen. Wie sich herausstellte, hatte Beltracchi über Jahre hinweg Bilder von Pablo Picasso und Max Ernst gefälscht und zwar auf so begabte Weise, dass die vermeintlichen „Werke“ ihren Weg in Christie’s Katalog und die prestigeträchtigsten Galerien der Welt fanden. Seit 2015 wieder auf freiem Fuß, verdient er nun Millionen durch die Vermarktung seines Talents.

Dass es solche (zugegebener Maßen beindruckende) Fälschungen auf den Markt schaffen und dass Vermittler wie Bouvier ihren großen Einfluss ausspielen können, ist ein direktes Resultat der wachsenden Nachfrage nach Kunst von privaten Sammlern. Die vorher selten beachtete, doch heute immer wichtiger gewordene Rolle zwischen Vermittler und Käufer, hat den Markt grundlegend verändert.

Der Kunsthandel verändert sich

Weil die begehrtesten Meisterwerke oft schon zu diversen Sammlungen gehören, sind die großen Verkaufshäuser dazu übergegangen, nicht mehr länger primär nur mit Sammlern, sondern auch direkt mit Künstlern zusammen zu arbeiten. Anne-Laure Bandle, Co-Autorin von L'art a-t-il un prix (erschienen 2014), sagte Swissinfo.ch diesbezüglich, dass „Die traditionelle Rollenverteilung zwischen Galerien, die sich um den Primärmarkt kümmern und Verkaufshäusern, die im Sekundärmarkt aktiv sind“ dabei sei, „zu verschwinden.“ Das Resultat: die Verschmelzung von Rollen und die einher gehenden Interessenskonflikte erlauben Betrügern freie Hand.

Wie kann diesem Treiben Einhalt geleistet werden? Wenige lassen sich gerne in die Karten schauen, vor allem in einem so heftig umkämpften Markt wie den der Kunst. Um Transparenz zu schaffen und Manipulationen zu unterbinden, muss sich der Sektor in dieselbe Richtung wie die Finanzmärkte nach der Krise 2008 bewegen: strengere Regulierungen und strikte Implementierung vom Gesetzgeber. Unter anderem bedeutet dies eine Lockerung der Diskretionsregeln im Geschäft, denn Händler, Käufer und Vermittler müssen wissen, was um sie herum vorgeht. Der Kunstmarkt als gesetzfreier Raum hat ausgedient.