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Jetzt ist Zeit für Schulz die Genossen zu überzeugen, dass es sich um einen guten Kompromiss handelt. Gleichzeitig ist es ein Kampf um sein politisches Überleben. In seinem Heimat-Bundesland NRW traf Schulz rund 70 Delegierten und Gäste unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Für Schulz und Befürworter einer weiteren großen Koalition ist NRW entscheidend. 144 von 600 Delegierten kommen nämlich aus NRW und mit Abstand der größte Landesverband.

Glaubwürdigkeit von Schulz ist sehr problematisch

Schulz hatte sich direkt nach den Wahlergebnissen am 24. September 2017 zu weit aus dem Fenster gelehnt, als er ankündigte, dass eine Fortsetzung der große Koalition nicht in Frage käme.

Jetzt wirbt er für GroKo und verkauft die 28 Seiten Sondierungsvereinbarung als großen Erfolg und als große Chance für die SPD und das Land. Auf Fragen über seinen radikalen Sinneswandel, nach dem Motto, „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“, antwortet er zur Zeit nicht. Schulz zeigt sich als großer Kämpfer für eine schnelle Regierungsbildung. Im Interview sagte: „wir haben eine lange Liste von Punkten durchgesetzt, die das Leben der Menschen ganz konkret verbessern. daran gibt es nichts kleinzureden.“ Viele der Delegierten werden nicht der gleichen Meinung sein.

Er bekommt Zustimmung von Andrea Nahles. Die SPD-Bundestagsfraktions-Vorsitzende warf den Gegnern der großen Koalition in der eigenen Partei vor, sich schon vor den Sondierungsergebnissen festgelegt zu haben. Sie sei dennoch zuversichtlich, dass eine Mehrheit auf dem SPD-Parteitag am 21. Januar erreicht werde.

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Auch wenn sie wisse, dass sie nicht alle überzeugen könne.

Eine große Aufgabe wird für Schulz die Jusos für sich zu gewinnen. Die Jusos sind aber nicht die einzigen Skeptiker. Auch einige Mitglieder des Parteivorstands haben sich gegen eine neue Auflage der großen Koalition ausgesprochen.

Die #CDU ist soweit sehr zufrieden mit den Sondierungsergebnissen. Deshalb äußert sich momentan nicht mehr darüber. „Man will nicht provozieren“, heißt es. Dennoch hat zum Beispiel Ursula von der Layen deutlich gemacht, dass man später nur Details ausarbeiten aber keine neuen Themen aufmachen werde. Auch die CSU betont, dass die Sondierungsergebnisse nicht mehr verhandelbar seien, so Bayerns Finanzminister Markus Söder.

Martin Schulz als Volksverräter beschimpft

Während seines kurzes Statements versuchte ein rechter Demonstrant Martin Schulz zum Schweigen zu bringen. „Volksverräter“ schreit laut der Demonstrant. Darauf sagte Schulz: „Ich hoffe, dass die SPD ihren Beitrag leistet, damit Nazis dieser Art in Deutschland keinen Platz haben!“.

Einige rechtsextreme Demonstranten mit schwarz-weiß-roter Reichsflagge standen vor dem Kongresszentrum in Dortmund.

Keine GroKo auch Ende von Schulz und vielleicht auch Merkel?

Eine Ablehnung der großen Koalition auf dem Parteitag am Sonntag würde eine direkte Kritik an Martin Schulz bedeuten und er müsste sofort zurücktreten. Deshalb hat sich Schulz vorgenommen von Landesverband zu Landesverband zu ziehen um alle zu überzeugen. Ein Scheitern könnte Kanzlerin Angela Merkel deutlich schwächen, denn Neuwahlen wären nicht mehr zu vermeiden.

Untergang der einstigen Volkspartei SPD?

Die Gefahr bei einem „Nein“ zur GroKo am Sonntag ist, dass eine strukturelle und personelle Erneuerung in so kurzer Zeit nicht möglich wäre. Welche neuen Inhalte könnte die SPD noch bringen? Es gibt kein neues großes Thema, wie damals „der Mindestlohn“, das der SPD helfen könnte. „Soziale Gerechtigkeit“ hat als Thema nicht funktioniert. Außerdem fehlt die Zeit für eine Einigung auf eine neue Strategie. Andrea Nahles als neue Kanzlerkandidatin wäre zwar denkbar, sie ist aber auf Grund ihrer Art, bei vielen nicht gemocht.

Die wichtigste Frage, die sich die SPD stellen sollte ist, mit welcher Entscheidung die ständig sinkenden Umfragen gestoppt werden können. Laut aktuellen Umfragen steht die SPD bei 18,5%. Nun muss die SPD am Sonntag entscheiden, ob die schlechten Ergebnisse der letzten Wahlen noch schlechter bei Neuwahlen oder bei der Bildung einer neuen GroKo wären.