367 Tage lang saß der deutsch-türkische Journalist ohne Anklage im türkischen Gefängnis. Jetzt ist er endlich frei. Doch was führte zu seiner unerwartet plötzlichen Freilassung?

Keine Anklage

Vor einem guten Jahr begann der Eklat um Deniz Yücel. Der Erdogan-kritische Journalist berichtete vergangenes Jahr, wie viele andere Journalisten, über geleakte E-Mails des türkischen Energieministers und Schwiegersohns Erdogans. In den E-Mails, die inzwischen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks zugängig sind, befanden sich Hinweise auf die Manipulation der Medien durch die türkische Regierung. Diese warf Yücel daraufhin Mithilfe bei terroristischen Vereinigungen vor und nahm den Journalisten in Untersuchungshaft, nachdem sich dieser freiwillig gestellt hatte.

Ein offizielle Anklage gab es nicht, ein Prozess war nicht in Sicht.

Internationale Entrüstung

Der Fall Yücel löste international Empörung aus und ist eines der meistangeführten Beispiele für die fehlende Rechtsstaatlichkeit der Türkei unter Erdogan. Zivile Bewegungen in vielen Ländern demonstrierten unter dem Slogan "free Yücel" gegen die Inhaftierung des Deutsch-Türken. Auch die deutsche Politik verurteilte die Verhaftung Yücels und setzte sich für eine faire Behandlung ein.

Geheimdiplomatie zahlt sich aus

Von vielen Seiten kam im Verlauf des letzten Jahres der Vorwurf, die deutsche Regierung würde im Fall Yücel zu wenig unternehmen. Wie sich herausstellte, soll das deutsche Außenministerium allerdings maßgeblich an der Befreiung Yücels beteiligt gewesen sein. In den letzten Wochen habe Außenminister Sigmar Gabriel mehrere Treffen mit türkischen Staatsmännern gehabt, unter anderem auch mit dem türkischen Machthaber Erdogan.

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Auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder soll, bei seinem Treffen mit Erdogan im Januar, wichtige Schritte zur Freilassung Yücel durchgesetzt haben.

Freilassung willkürlich

Ebenso wie die ungerechtfertigte Verwahrung des Journalisten in Untersuchungshaft, ist auch seine Freilassung rechtlich kaum begründet. Yücel selbst hat keine Ahnung, was seine einjährige Rolle als "Geisel" für Gründe hatte, ebensowenig wieso er jetzt wieder frei ist: "So wie meine Verhaftung nichts mit Recht, Gesetz und Rechtsstaatlichkeit zu tun hatte, hat auch meine Freilassung nichts mit alledem zu tun". Letztendlich ist er einfach froh, wieder frei zu sein. Er dankte der deutschen Regierung für die wichtige Rolle, die sie bei seiner Rettung gespielt habe.

Yücel ist frei und das ist gut so. Allerdings muss weiter Druck auf die Türkei erfolgen, denn vor allem türkische Journalisten und Beamte sind noch zu Hauf ohne rechtsstaatliche Grundlage in Erdogans Gefängnissen. "Free Yücel" steht stellvertretend für alle zu Unrecht eingesperrten Menschen in der Türkei, der Geist der Aktion sollte also unbedingt bestehen bleiben.