Eine ganz andere Sicht auf das Thema Familiennachzug für traumatisierte Flüchtlingskinder, liefert jetzt der Vorsitzende des "Berufsverbandes der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Nordrhein" (bkjpp-no), Dr. Josef Kirchner. In Rösrath leitet Kirchner seine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und dort werden aktuell auch traumatisierte Flüchtlingskinder behandelt. Er sagt: "Wir erleben bei unseren Patienten, die als traumatisierte, minderjährige Flüchtlinge bei uns vorgestellt werden, dass oft der Auftrag der Familie gelautet hat: Hole uns nach oder schicke wenigstens Geld."

Kinder von der eigenen Familie als Ware benutzt?

Laut Kirchner zeige die Erfahrung aus der Praxis: "Minderjährige Migranten sind nicht nach der Schule weggelaufen, sondern gezielt und mit hohem Aufwand mittels Schleusern importiert." Der Arzt sagt: "Wenn eine Familie in Not ist, flieht sie gemeinsam aus Kampfgebieten.

Hier aber werden Kinder und Jugendliche für viel Geld einem Schlepper übergeben, der beliebig mit den Minderjährigen umspringt."

Was mit den Kindern dann geschehe, sei unvorstellbar grausam: "Das geht von Misshandlung über Missbrauch und Prostitution. Vermutlich werden die Kinder auch zu unbekannten Prozentsätzen dem Organhandel zugeführt."

Familienzusammenführung human?

Dr. Kirchner warnt: "Oberflächlich ist die Familienzusammenführung ein Akt der Humanität. Bei genauem Hinsehen ist es die Einladung noch mehr Kinder auf eine Reise ins Ungewisse zu schicken, um den Wohlstand der Familie zu mehren." Daher könnte der Familiennachzug für viele Kinder zu entsetzlichen Folgen führen, sagt Kirchner. "Wir erzeugen einen Sog, von dem wir nicht wissen, ob er tausenden Kindern das Schicksal der Misshandlung, der sexuellen Ausbeutung oder gar des buchstäblichen Ausschlachtens beschert."

Was passiert auf der Flucht?

Erst im letzten Monat hatte der "Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" (BumF) eine Online-Umfrage unter Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt.

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Demnach hat der Großteil der Kinder und Jugendlichen in den Herkunftsländern und/oder auf der Flucht Gewalt und Missbrauch erdulden müssen. Demnach berichteten 57,7 Prozent der Betroffenen von Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, die sie oft oder sogar immer erleben mussten. Die Jugendämter, Träger und Ministerien müssten sich, laut BumF, auf eine immer größere Zahl von schwer traumatisierten Minderjährigen einrichten, da die Fluchtrouten immer gefährlicher würden.

Es spricht viel dafür, dass gerade Terrorgruppen den Organhandel immer mehr professionalisieren. Zehntausende von minderjährigen Flüchtlingen gelten als vermisst. Unter ihnen sind auch Kinder, die der Prostitution zugeführt oder als Sklaven gehalten werden.