Geschätzte 30 000 Patienten können in Deutschland nicht zuverlässig mit Medizinalhanf versorgt werden. Darunter sind schwerkranke Patienten, denen die Zeit davonläuft. Der Grund: Lieferengpässe bei den Apotheken, die Medizinalhanf aus dem Ausland beziehen müssen. Natürlich wäre niemand auf ausländisches Hanf angewiesen, wenn der Amtsschimmel nicht wieder einmal laut wiehern würde, denn der Hanfanbau hat in Deutschand Tradition. Vom Lebensmittel wie Brot und Öl über Seile und Textilien, die vielfältige Pflanze wurde von unseren Vorfahren gerne genutzt. Aber heute, mit all den technischen Möglichkeiten sind wir nicht in der Lage kranke Menschen zu versorgen.

Absurde Vorgaben - Beratungsresistente Behörden

Zwar wurde vor über einem Jahr Anlauf genommen und ein Vergabeverfahren zum Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland gestartet, doch seit gestern steht wieder alles auf Anfang. Denn das Vergabeverfahren wies gravierende Mängel auf. Besonders absurd war die Vorgabe, dass Unternehmen schon Erfahrungen im Medizinalhanfanbau vorweisen mussten. Mindestens 50 Kilo sollten es in den letzten drei Jahren gewesen sein. Dabei war der Anbau doch bis jetzt in Deutschland gar nicht erlaubt. Diesen Punkt hatte der "Deutsche hanfverband" (DHV) sofort kritisiert. Geschäftsführer Georg Wurth hatte öffentlich darauf hingewiesen, dass dies ausländischen Unternehmen einen Vorsprung ermögliche. Doch das zuständige "Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte" (BfArM) ließ sich natürlich von den DHV-Fachleuten, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigen, nicht beirren.

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Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden

Gestern kam dann die Klatsche vom Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort hatte sich der Vergabesenat mit insgesamt vier Klagen von Unternehmen gegen die Art der Lizenzvergabe beschäftigt und einer Klage wurde stattgegeben. Dabei ging es genau um den Punkt der Erfahrung im Medizinalhanfanbau. Die Fristen waren bei dieser Vorgabe zu kurz gewesen, deutsche Unternehmer hätten die Möglichkeit haben müssen, sich einen ausländischen Partner zu suchen, um die Vorgabe zu erfüllen. Jetzt untersagt das Gericht dem BfArM die Vergabe und das bedeutet, laut BfArM selbst, einen kompletten Neustart des Verfahrens.

Vermeidbare Posse

Der Hanfverband ist empört: "Für Cannabispatienten, die aufgrund der Abhängigkeit von Importen unter der mangelnden Versorgungslage leiden, geht das Warten auf Cannabis made in Germany somit weiter." Und damit dürfte der DHV goldrichtig liegen, denn Menschen mit Krebs oder MS dürften für diesen Schildbürgerstreich wenig Verständnis haben, vor allem, weil das Problem doch von Anfang an auf der Hand lag.

Geschäftsführer Wurth sieht es so: "Das ist für benachteiligte Unternehmen ein Erfolg, für unter dem Lieferengpass leidende Patienten ist das die Verlängerung einer vermeidbaren Posse. Das nächste Vergabeverfahren sollte dementsprechend fairer ablaufen."

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