Am Samstag, 10. März, ist es genau ein Jahr alt, das Gesetz zur Abgabe von Cannabis als Medizin. Doch die Umsetzung ist immer noch nicht gelungen, kritisiert der "Deutsche Hanfverband" (DHV). Laut diesem Gesetz wurden geschätzten 20 000 bis 30 000 Patienten der Zugang zu Medizinhanf ermöglicht. Allerdings nur in der Theorie. DHV-Geschäftsführer Georg Wurth sieht unhaltbare Zustände: "Völlig überzogene Preise, ein vermurkstes Lizenzverfahren, Willkür bei den Krankenkassen - es gibt noch einiges zu tun im Gesundheitsministerium."

Ärzte lieber vorsichtig

Die Ärzte seien auch nach einem Jahr immer noch zurückhaltend, so der DHV.

Verpasse keine News mehr Folge dem International-Kanal

Dies sei zum Teil den noch immer mangelhaften Weiterbildungsangeboten für Mediziner geschuldet. Zum anderen aber würden die Ärzte auch durch die hohen Hürden bei der Genehmigung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen abgeschreckt.

Für die Patienten bedeute das eine lange Odyssee. "Auch für Patienten, die oftmals nach langer Suche endlich einen Arzt gefunden haben, gibt es teilweise massive Probleme." Viele Patienten würden sich wegen einer verweigerten Kostenübernahme in Rechtsstreitigkeiten mit ihren Krankenkassen befinden. Gleichzeitig würden die gestiegenen Preise, mit 20 bis 30 Euro pro Gramm, Privatpatienten eine längerfristige Behandlung fast unmöglich machen.

Apotheken mit Lieferengpässen

Dabei habe das Gesundheitsministerium unter Hermann Gröhe (CDU) bereits im September 2017 die Spitzenverbände von Apothekern und Krankenkassen dazu aufgefordert, zumindest über eine Reduzierung der Cannabispreise zu verhandeln. "Bis heute konnte jedoch keine Verbesserung bei den Abgabepreisen erzielt werden und viele Betroffene müssen weiterhin ihre Medizin privat bezahlen", so der DHV.

Top Videos des Tages

Und selbst Patienten, bei denen das Finanzielle geregelt ist, könnten von den Apotheken oft nicht versorgt werden. Für viele Cannabissorten gebe es häufig auftretende Lieferengpässe, verursacht durch eine Fehlkalkulation der Bundesregierung. Diese habe die Entwicklung der Patietenzahlen und den zu importierenden Bedarf komplett falsch eingeschätzt.

Anbau in Deutschland

Frühestens ab 2019 soll in Deutschland Medizinalhanf blühen. Zwar standen viele Startup-Unternehmen bereit, doch es gibt Schwierigkeiten mit dem Lizenzabgabeverfahren. Absurderweise sollen nur Unternehmen, die schon in der Vergangenheit Medizinalhanf angebaut haben, den Zuschlag erhalten. Dagegen hat ein Unternehmen geklagt, erst in den nächsten Wochen wird sich entscheiden, wie dieser Prozess endet.

Für den DHV ist allerdings jetzt schon klar: "Die von der Bundesregierung kalkulierte Anbaumenge von zwei Tonnen pro Jahr wird angesichts der weiter steigenden Patientenzahlen und abgerufenen Cannabismengen nicht ausreichend sein."

Weitere Artikel der Autorin zum Thema:

Lizenzvergabe für medizinisches Cannabis: Deutsche Firmen benachteiligt

Cannabis im Bundestag