Grüne Rochaden!

Österreich. Anfang März (2.3.2018) platzte die Bombe! Eva Glawischnig, fast zehn Jahre Parteichefin bei den österreichischen Grünen, die Mitte letzten Jahres etwas überraschend knapp vor der Nationalratswahl zurückgetreten war, soll in die Privatwirtschaft wechseln. So weit, so normal. Denn dass sich Politiker nach ihrer "aktiven Zeit" ihr Gehalt in der Wirtschaftswelt verdienen, ist im Grunde genommen nichts Ungewöhnliches. Das ist schon häufig passiert, zahlreiche Beispiele aus aller Herren Länder ließen sich anführen. Doch wechselt Eva Glawischnig zum österreichischen (und äußerst mächtigen) Glücksspielkonzern Novomatic.

Ist das schicklich für eine "Öko-Partei"?

In Deutschland gab es einmal einen ganz ähnlich gelagerten Fall.

Die Sprache ist von Joschka Fischer, der zwischen 1998 und 2005 Vizekanzler und Außenminister in der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder gewesen ist. Bei Fischer handelt(e) es sich, das lässt sich wohl ohne Weiteres behaupten, um einen Vollblut-Grünen. Das offenbart bereits ein flüchtiger Blick auf seine Biografie.

2006 zog sich Fischer aus der Politik zurück und legte seine Ämter nieder. Im selben Jahr hielt er Vorträge für diverse Unternehmen, hauptsächlich Banken, und meist nicht irgendwelche. Barclays Capital, Goldman Sachs und DWS Investment sind nur ein paar Namen auf der Liste. Neben der Gründung einer Beraterfirma (Joschka Fischer Consulting) ist Fischer in der Folgezeit für Firmen wie BMW und Siemens tätig. Nicht, dass dies illegal wäre. In Anbetracht seiner früheren Tätigkeiten erscheinen diese Schritte zumindest ungewöhnlich, für einige sicher auch fragwürdig.

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Der Partei kann dadurch erheblicher Schaden zugefügt werden. Aktuell geht's den Grünen gar nicht gut. Vor allem im Osten Deutschlands.

Glawischnig macht den Fischer

Nun scheint sich in Österreich die Geschichte zu wiederholen. Auch Eva Glawischnig könnte man durchaus als engagierte Grüne bezeichnen. Sie begann Anfang der 1990er Jahre als Juristin bei GLOBAL 2000, danach war sie Umweltsprecherin der Grünen in Wien. Von 1999 bis 2017 saß sie für die Grünen im Nationalrat, fast zehn Jahre hatte sie die Position der Klubobfrau inne. Und das sind lediglich die Highlights gewesen. Warum ausgerechnet eine solche Person zu einem Unternehmen wie Novomatic wechselt, ist für viele Menschen in Österreich ein Rätsel. Nicht, dass ihr dieser (Karriere-)Schritt nicht gegönnt würde, allerdings verhält es sich ganz ähnlich wie bei Joschka Fischer: die Optik ist nicht gerade die beste. Ob sie als Beraterin für Nachhaltigkeit wirklich etwas bewirken kann, wie von ihr behauptet, wird sich erst in der Zukunft herausstellen.

Fazit

Politiker aller Couleurs werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer wieder den Schritt in die Wirtschaft wagen. In vielen Fällen ist dies nicht überraschend, in anderen schon mehr. Werden bei "grünen" Parteien andere Maßstäbe angelegt? Wahrscheinlich schon, da sich diese Parteien meist selbst als nachhaltige, gesellschaftskritische und umweltbewusste Bewegungen inszenieren. Was bleibt am Ende übrig? Nun ja, die Erkenntnis, dass das Hemd doch meist näher ist als der Rock. Wieder etwas gelernt!