Was würden viele Politiker darum geben, wenn sie so beliebt wären wie Prof. Dr. Rita Süssmuth, Ex-Bundesministerin und Bundestagspräsidentin a. D., die am Sonntag, 11. März, im rheinisch-bergischen Rösrath wie ein Popstar gefeiert wurde. In Schloss Eulenbroich zelebrieren die Rösratherinnen jedes Jahr den Frauentag auf ganz besondere Art. In diesem Jahr mit Rita Süssmuth als Rednerin. Und die überraschte mit ihrem Vortrag zum Thema "100 Jahre Frauenwahlrecht", indem sie die politisch ganz heißen und aktuellen Eisen furchtlos aufgriff.

Süssmuth zum Thema Flüchtlinge:

Sie engagiert sich selbst in der Flüchtlingshilfe und fordert eindringlich dazu auf "Flüchtlinge nicht nur als eine Belastung, sondern auch als eine Bereicherung" zu sehen.

Eine ständige Weiterentwicklung eines jeden Einzelnen sei wichtig, Neue Impulse könnten den Horizont erweitern und bei der Lösung von Problemen helfen. Auf der anderen Seite warnte Süssmuth auch eindringlich vor einem "Laissez-Faire-Umgang".

Und damit meint die Professorin, die unter anderem in Erziehungswissenschaften promoviert hat, eine Erziehungsmethode, die auf den bewussten Verzicht von Regeln, Grenzen und Vorgaben basiert. In der Praxis hatte die Methode erwiesen, dass die so "nicht-erzogenen" Kinder später häufig Probleme in Beziehungen, am Arbeitsplatz und mit dem Leben bekamen und sogar häufiger zu Kriminalität und Sucht neigten.

„Es gibt Regeln und die gelten für alle.“ Diese müssten konsequent durchgesetzt werden, so Süssmuth.

Franziska Giffey hat den richtigen Ansatz

Süssmuth räumte offen ein, dass sie im ersten Moment von der Personalie der nächsten Familienministerin irritiert gewesen sei.

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Eine Bürgermeisterin von Berlin-Neukölln als Bundesfamilienministerin? Aber dann habe sie erkannt, dass der Ansatz von Franziska Giffey genau der richtige sei: In die Familien hineingehen. Nur dort an der Basis sei Veränderung und Integration zu erreichen.

Die Nationalhymne würde Rita Süssmuth nicht ändern, aber wenn sie an der Stelle von Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre, dann würde die Professorin die Armutsbekämpfung angehen. "Wir sagen in der Bundesrepublik: Wir haben keine Armut. Das ist nicht wahr."

Ein wichtiges Thema wäre für Süssmuth auch die Regelung der Arbeitszeiten. Menschen müssten die Möglichkeit haben, für gewisse Zeiten, weniger zu arbeiten, wenn die Familienaufgaben am dringendsten seien. Ob das Kinder oder zu pflegende Angehörige seien. "Damit alle Generationen spüren, wir gehören zusammen, dafür wird Sorge getragen."

Senioren gefordert

Die Senioren forderte Süssmuth auf, sich in der Kinderbetreuung zu engagieren. Die Lebenszeit habe sich verlängert. Ältere Menschen könnten ihre Aufgabe als Großeltern auch außerhalb der Familie wahrnehmen.

Zum Thema #metoo erklärte Süssmuth, dass sie entsetzt sei, in welchem Ausmaß sexuelle Gewalt auch heute noch stattfände. Grundsätzlich rufe sie Frauen zum Kampf auf. "Wer nicht kämpft, hat schon verloren." In aller Welt müssten Frauen sehr hart arbeiten, mit ihren Rechten sei es aber nicht gut gestellt. Deutschland belege Rang 13, von 144 Ländern, doch die Frauen hier müssten sich auch für die Frauen in völlig entrechteten Situationen einsetzen.

Bei der Diskussion über den Paragrafen 219a (es geht um den Zugang zu Informationen zum Thema Abtreibung), über den aktuell Union und SPD streiten, hofft Süssmuth auf einen parteiübergreifenden Zusammenhalt der Frauen.