Es gibt viele verschiedene Berechnungsformeln, Indizes oder Koeffizienten, die versuchen Armut und Reichtum zu messen. Sie alle kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei den einen geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, während die anderen zu dem Ergebnis kommen, dass selbst das Einkommen der Ärmsten stetig wächst. Und beide haben Recht. Das Problem dabei ist, dass #Vermögen häufig mit Einkommen gleichgesetzt wird und die Einkommen mögen zwar (wenn auch bei vielen nur in geringem Maße) über die Jahre und Jahrzehnte stetig gestiegen sein, aber kann ein Großteil der Bevölkerung dadurch wirklich ein Vermögen aufbauen?

Woraus setzt sich Vermögen überhaupt zusammen?

Das sozioökonomische Panel (SOEP) zieht in ihren Haushaltsfragebögen dafür acht Kategorien heran: Neben selbst genutztem Wohneigentum und sonstigem Immobilienbesitz, zählen dazu Geldvermögen, Vermögen aus privaten Versicherungen, und Bausparverträge, sowie Betriebsvermögen und Sachvermögen, aber auch Schulden.

Dabei sollte Vermögen nicht nur die Einkommensfunktion übernehmen, sondern gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Nutzungsfunktion, Sicherungsfunktion, Soziale Mobilitäts- oder Statuserhaltungsfunktion, Sozialisationsfunktion, Machtfunktion sowie Vererbungsfunktion. Aber bei vielen Menschen in #Deutschland kann das Monatsgehalt nur die Einkommensfunktion erfüllen. Denn nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung besitzt jeder dritte Haushalt in Deutschland so wenig Vermögen, dass er sich nur für wenige Wochen oder Monate über Wasser halten kann, wenn sein Einkommen ausbleibt, während die reichsten 5% sogar mehr als 2 Jahrzehnte von ihrem Vermögen leben könnten. 30% der deutschen Haushalte verwendet sein Einkommen für das monatliche Überleben und vielleicht noch kleinere Ansparungen, die spätestens dann weg sind, wenn der Kühlschrank oder die Waschmaschine den Geist aufgibt oder die nächste Klassenfahrt fürs Kind ansteht.

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Diese Menschen haben keine Möglichkeit Vermögenswerte aufzubauen, geschweige denn etwas am Ende ihres Lebens zu vererben. Sie haben auch nicht das Geld, um in die Bildung ihrer Kinder zu investieren, und wenn ihre Kinder in ein eigenes Leben starten, geraten sie schnell selbst in die Armutsfalle, weil ihre Eltern kein Geld haben, um sie bei ihrer ersten Wohnungseinrichtung zu unterstützen. Was nicht aus dem Kinderzimmer mitgenommen werden kann, weil es keinen Umzug mehr überleben würde, kann dann nur auf dem Flohmarkt oder per Ratenzahlung dazu gekauft werden. Der erste eigene Kühlschrank wird so schnell zum Stromfresser oder dem ersten Finanzierungsfallstrick.

Armut in Deutschland

#Armut in Deutschland mag vielleicht nicht bedeuten, dass Menschen hungern müssen. Armut in einem wohlhabenden Land wie Deutschland bedeutet, nicht mehr zu haben, als das, was man zum monatlichen Überleben braucht, ohne dabei großartige Vermögenswerte aufbauen zu können. Arm ist der, dem am Ende des Monats kein Geld übrigbleibt, um es in etwas zu investieren und sei es nur in die Bildung seiner Kinder.

Dabei ist die größte Ungerechtigkeit, dass mit steigendem Wohlstand immer leichter weiteres Vermögen angehäuft werden kann, während die, die monatlich ums Überleben kämpfen, einfach nie auf einen grünen Zweig kommen, egal wie hart sie arbeiten.

Warum vermag unsere Regierung, trotz stetig steigender Sozialausgaben und permanenter Umverteilung, nichts gegen diese wachsende Armut der teilweise arbeitenden Bevölkerung zu unternehmen? Warum steigen bei einem geringen Teil der Bevölkerung die Vermögenswerte exorbitant an, während sich bei der Hälfte der Deutschen kaum etwas bis gar nichts bewegt? Was kann der Staat tun, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken?

Die sechsteilige Artikelserie „Wie der Staat die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert“ wird sich diesen Fragen in den nächsten Wochen widmen.