Durch ein Urteil vom Oberlandesgericht Düsseldorf wird sich voraussichtlich der Start zum regulären Medizinalhanf-Abbau in Deutschland verzögern. Geplant war eigentlich ein Beginn ab 2019. Das Problem ist aber, dass die Apotheken in Deutschland Patienten nicht zuverlässig beliefern können. Immer wieder führen Lieferengpässe dazu, dass selbst todkranke Menschen nicht versorgt werden können.

Der "Deutsche Hanfverband" (DHV) befürchtet nun eine wesentliche Verschärfung der Lage.

Denn nun könnten auch noch die einzigen Lieferanten, Kanada und die Niederlanden, noch in diesem Jahr ausfallen. Grund sind wieder einmal absurde Vorschriften, denn nach Deutschland dürfen nur Länder Medizinalhanf liefern, die kein Cannabis als Genussmittel verkaufen.

Kanada legalisiert Cannabis ab Juli

Der DHV zitiert den CDU-Gesundheitsexperten Erwin Rüddel (MdB), demnach schließe ein legaler Verkauf die Lieferung von Cannabis als Medizin aus, das sei auch der Grund, warum bereits jetzt kein Import aus Uruguay genehmigt worden sei. In Kanada wird aber ab Juli diesen Jahres Cannabis als Genussmittel legalisiert. Und auch in den Niederlanden tut sich etwas.

Entgegen der allgemeinen Annahme ist in den Niederlanden der Cannabis-Anbau zurzeit noch illegal, lediglich der Verkauf wird geduldet. Doch jetzt sind in den Niederlanden mehrere Modellprojekte für den legalen Anbau und Verkauf geplant. Die deutschen Patienten bleiben dann voraussichtlich auf der Strecke.

Modellprojekt in München

Um diesem Notstand zu entgegnen, schreitet jetzt die Münchner Ortsgruppe des DHV zur Tat.

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Die ehrenamtlichen Aktivisten haben bei der Stadt München einen Antrag eingereicht, um Medizinalhanf im Rahmen eines Modellprojektes in München anzubauen. Unter den vier Antragstellern sind zwei betroffene Patienten: Alexandra Scheiderer und Christoph Neuroth. Letzter hat gerade für das Magazin "Puls" des Bayrischen Rundfunks in einem Film demonstriert, auf welche Schwierigkeiten die Patienten trotz eines Rezeptes stoßen. Was für ein Stress für Kranke, die täglich überlegen müssen, wie lange sie mit ihren Medikamenten wohl noch auskommen werden:

Die Münchner DHV-Ortsgruppe hat gleichzeitig auch eine Online-Petition auf openpetition.de gestartet. Sprecher Micha Greif sagt: “Cannabispatienten haben das Recht auf eine lückenlose medizinische Versorgung. Diese ist aktuell nicht gewährleistet und zukünftig weiter fraglich. Das im Modellprojekt produzierte Cannabis soll Versorgungssicherheit bei Münchener Patienten gewährleisten."

Der Deutsche Hanfverband

Der Deutsche Hanfverband wurde im Mai 2002 gegründet und ist die größte Interessensvertretung für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland.

Neben dem Geschäftsführer Georg Wurth arbeiten acht feste Mitarbeiter täglich an der Aufgabe, das Hanfverbot in Deutschland abzuschaffen, welches sie als sinnlos, ungerecht und schädlich für die Gesellschaft ansehen. Ein wichtiger Bestandteil des DHV sind die 16 selbst organisierten Ortsgruppen in ganz Deutschland und viele ehrenamtliche Mitarbeiter.

Der DHV führt neben der Online-Arbeit Gespräche mit Politikern und Journalisten, organisiert Aktionen, Events und Vorträge. Es gibt große Werbeaktionen mit sechstelligem Budget. Aus Effizienzgründen ist der DHV nicht als Verein sondern als Firma organisiert. Nähere Infos und einen Link zur Online-Petition gibt es auf Hanfverband.de.

Hintergründe zu dem Urteil aus Düsseldorf finden sie hier.