Der erste Artikel der Serie hat gezeigt, wie Vermögen in #Deutschland auf wenige Menschen verteilt ist, während es für Menschen mit niedrigem Einkommen fast unmöglich ist, überhaupt etwas aufzubauen, da sie von der Hand in den Mund leben. Er warf die Frage auf, warum unsere Regierung nichts gegen diese ungleiche Verteilung unternimmt, wo wir doch sonst so gerne Umverteilen.

Aber anstatt etwas an diesen Verhältnissen zu verändern, trägt der Staat sogar noch dazu bei.

Denn ein Grund dafür, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen weiter arm bleiben, ist die ungerechte Besteuerung in Deutschland.

Arbeit lohnt sich nicht.

Das ist der Schluss, zu dem man kommen muss, wenn man sich das deutsche Steuersystem anschaut.

Reiche werden geschont, wo es nur geht

Der Staat besteuert Einkommen aus Arbeit stärker als Einkommen aus Kapitalerträgen. Während Kapitaleinkünfte pauschal einem Steuersatz von 25% (+Soli+ evtl. Kirchensteuer) unterliegen, steigt die Einkommenssteuer mit dem Verdienst an, auf bis zu 42% (Spitzensteuersatz).

Wer also arbeitet, zahlt unter Umständen mehr Steuern für den gleichen Betrag, als jemand, der das gleiche Geld aus Kapitaleinkünften hat.

Der Spitzensteuersatz von 42% greift schon bei 4500€ brutto. Kapitalerträge in dieser Höhe würden nur mit 25% besteuert werden.

Wohlgemerkt: Kapitalerträge sind die Profite derer, die genug Geld zum Anlegen haben. Arbeitslöhne sind die Grundeinkommen, die Menschen erwirtschaften, um überhaupt leben zu können.

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Um Miete zu zahlen, Strom, Gas, Lebensmittel, Kleidung, die notwendigsten Dinge eben.

Warum wird das Geld aus harter Arbeit höher besteuert, als Geld, das jemand "zu viel" hat und das nur dazu dient sich zu vermehren, statt wirklich gebraucht zu werden?

Dadurch macht es der Gesetzgeber denen, die schon relativ wohlhabend sind, einfach noch wohlhabender zu werden, während es denen, die nur wenig bis gar nichts haben, schwer gemacht wird überhaupt etwas aufzubauen.

Neben der hohen Abgabenlast auf unseren Arbeitslohn, greift der Staat nochmal zu, wann immer wir uns etwas kaufen.

Die Mehrwertsteuer stellt für viele Geringverdiener eine zusätzliche Belastung dar, denn sie nimmt keine Rücksicht darauf, wie viel Einkommen jemand hat und wir alle zahlen sie auf die notwendigen Dinge des Lebens. Dabei verdient der Staat sogar richtig gut an unserer Arbeit und unserem Konsum. Rund 217 Mrd.€ nahm er 2016 durch die Mehrwertsteuer ein, das entspricht 32% des gesamten Steueraufkommens. Die Lohnsteuer bildet die zweitgrößte Einnahmequelle für den Steuertopf (184 Mrd.).

Da kann man es sich natürlich auch leisten, die Vermögenssteuer vorübergehend auszusetzen und Kapitalerträge eher zurückhaltend zu besteuern.

Ein oft gehörtes Argument

Aber warum scheut sich der Staat bei Reichen zuzugreifen, zum Beispiel durch gestaffelte Steuersätze auf Kapitalerträge oder der Wiedereinsetzung der Vermögenssteuer?

Ein gern angeführtes Argument gegen eine #Reichensteuer lautet: Sie würde der deutschen Wirtschaft schaden, weil Reiche dann mit ihrem Vermögen ins Ausland abwandern würden. Ein durchaus nachvollziehbares Argument. Auf den ersten Blick. Denn eine Änderung des deutschen Steuerrechts könnte hier Abhilfe schaffen.

Das US-Steuerrecht macht es Reichen da nicht ganz so leicht.

Der US-Bürger entkommt der amerikanischen Steuerbehörde nicht. Er zahlt immer den US-Steuersatz, so lange er die US- Staatsbürgerschaft besitzt, bereits im Ausland gezahlte Steuern werden dabei lediglich angerechnet.

Will er die US-Staatsbürgerschaft ablegen, wird die sogenannte Exit Tax fällig und die US Steuerbehörde kassiert 23,8% des gesamten Vermögens sofort oder er bleibt weitere zehn Jahre in den USA steuerpflichtig.

Das amerikanische Steuerrecht hält sicher auch so einige Schlupflöcher für Reiche bereit, aber es zeigt zumindest, wie man der Abwanderung von Vermögen entgegen wirken kann und nimmt damit den Kritikern einer Reichensteuer ihr stärkstes Argument.

Und nächste Woche: Wie der Staat beim Thema Wohnungsbau versagt