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Unter dem Hashtag #SPDerneuern stand der heutige Parteitag der Sozialdemokraten nach der Wahlschlappe des vergangenen Jahres. Dass der heutige Sonderparteitag dennoch historisch sei, war für Finanzminister Olaf Scholz bereits zu Beginn klar. Zum ersten Mal in der Geschichte der SPD wurde nämlich mit Sicherheit eine Frau Vorsitzende der Volkspartei. Und zum ersten Mal standen zwei Kontrahenten am selben Tag zur Abstimmung.

Neben der ehemaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles kandidierte die Bürgermeisterin von Flensburg Simone Lange für das Amt des Parteivorsitzes. Nahles ging dabei als klare Favoritin ins Rennen und wurde, wie von verschiedenen Medien erwartet, zur Vorsitzenden gewählt.

Somit steigt die 47-Jährige in die Martin Schulz Fußstapfen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob sich mit 66 Prozent der Wählerstimmen die SPD erneuern lässt, wenn es Schulz nicht mal mit 100 Prozent gemeistert hat.

Die SPD müsse zu ihren Werten zurückkehren

Bevor gewählt wurde, hatten Nahles und Lange Zeit für sich selbst zu werben. Mit einer emotionalen und kämpferischen halbstündigen Rede versuchte Nahles die Wählerschaft von sich zu überzeugen und versuchte klar zu machen, dass sie die Partei führen wolle. Ansonsten stellte ihre Rede einen Rundumschlag dar: gesprochen wurde von einer solidarischen Marktwirtschaft, einer gerechten Bildungspolitik und Datenschutz.

Ihre Kontrahentin Lange erkämpfte sich im Vorfeld ebenfalls die dreißig Minuten Redezeit, nutzte davon jedoch nur sechzehn Minuten.

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Lange versprach zwar einen Wandel in der Partei und forderte sie auf zurück zu ihren Werten zu gelangen, konkret wurde sie jedoch nicht. Sie selbst meinte, sie kandidiere um zu zeigen, dass Demokratie nicht "alternativlos" sei.

Magere 66 Prozent

Diverse Quellen bezeichnen das Ergebnis als Dämpfer für Nahles. Dass die Vorsitzende weniger als 70 Prozent der Stimmen geholt habe, zeuge von der Unzufriedenheit der Parteimitglieder. Ob das Wahlergebnis nun Nahles ausreichend den Rücken stärkt, bleibt abzuwarten.

Die Veranstaltung schließen durfte dennoch ein Mann. Mit einer leidenschaftlichen Rede, in der er offen über seine Gefühle sprach, verabschiedete sich Martin Schulz und forderte seine Partei auf die internen Konflikte zu lösen und appellierte, dass der Vorsitz sein "europapolitisches Erbe" retten solle. Zuvor ist Martin Schulz wegen mangelnden Rückhalts vom Posten des Parteivorsitzenden zurückgetreten.