Nach aktuellen Zahlen des Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) beziehen 1,7 Mio. Kinder unter 15 Jahren Hilfe vom Amt. Allein in Berlin leben 174.394 Kinder in Hartz IV Haushalten.

Kinderarmut hat Folgen

Die Wohnsituation armer Kinder ist geprägt von beengten Wohnverhältnissen und Überbelegung. Sie haben seltener ein eigenes Zimmer als ihre wohlhabenden Altersgenossen. Diese Wohnsituation hat Auswirkungen auf das Familienklima. Es kommt öfter zu Streitereien, die Kinder können sich nicht frei entfalten und haben keinen Ruheraum für Hausaufgaben oder einen Ort, an den sie sich mit Freunden oder allein zum Spielen zurückziehen können.

Sozial auffälliges Verhalten ist die Folge. Zudem leiden Kinder aus sozial schwachen Haushalten häufiger an Übergewicht, Mangelernährung und Entwicklungsverzögerung, ihre motorischen Fähigkeiten, sowie ihr Sprachvermögen sind unterentwickelt.

Die Perspektive und die Aufstiegschancen, die diese Kinder haben, sind entscheidend um der Armut zu entkommen. Wer nie Zugang zu Bildung hatte, bleibt in der Armutsfalle stecken. Leider ist es um die Aufstiegschancen in Deutschland nicht sonderlich gut bestellt. Nur in wenigen europäischen Ländern ist der Zusammenhang von Elternhaus und Bildung so groß wie in Deutschland. Wer aus einem sozial schwachen Haushalt stammt, bleibt oft ebenfalls arm und hat nur geringe Chancen sozial aufzusteigen.

Bildungschancen abhängig vom Einkommen der Eltern

Bildungschancen von Kindern hängen in Deutschland viel stärker vom Einkommen der Eltern ab, als von ihren eigenen Fähigkeiten oder ihrer Intelligenz.

Top Videos des Tages

Nur 31% der Kinder, deren Eltern kein Abitur haben, landen auf dem Gymnasium. Schon bei einem Elternteil mit Abitur steigt die Chance auf 61%. Haben sogar beide Elternteile die Hochschulreife, erhöhen sich die Chancen ihrer Kinder auf ein Gymnasium zu gehen auf 84%.

Laut der AWO-ISS-Studie haben die meisten armen Kinder schon ab dem Schulstart eine auffällige Bildungsbiografie. Sie werden häufiger zurückgestellt und müssen oft schon in der Grundschule eine Klasse wiederholen. Ihre Durchschnittsnoten sind in fast allen Fächern schlechter und sie bekommen seltener Gymnasialempfehlungen, als ihre Klassenkameraden, deren Eltern besser verdienen. Das gilt selbst dann, wenn ihre Eltern trotz Armut ein hohes Bildungsniveau haben. Die frühe Armut wirkt sich deutlich auf das am Ende der Sekundarstufe I erreichte Schulbildungsniveau aus. Arme Kita Kinder sind später zu 48% überdurchschnittlich häufig Hauptschüler oder verlassen die Schule ohne Abschluss.

Ein vernichtendes Fazit

Kinder, die aus armen Elternhäusern stammen, haben schlechtere Bildungschancen und somit schlechtere Aufstiegschancen.

Wer in Armut aufwächst, hat nicht nur weniger Chancen einen guten Schulabschluss zu machen und einen guten Job zu finden, er erfährt auch keine finanzielle Unterstützung bei seinem Start in ein eigenes Leben und gerät so schneller in die Schuldenfalle. Ein Kreislauf aus vererbter Armut beginnt, der früher oder später dazu führt, dass ganze Teile des Volkes einfach abgehängt werden. Ein soziales Gefälle entsteht, das das politische Klima in der Gesellschaft verschärft. Wir sollten uns schon einmal an die AfD im Bundestag gewöhnen, denn gerade die Abgehängten, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen, sind die Wähler der AfD und dieser Rand der Gesellschaft besteht mittlerweile nicht mehr nur aus einer Minderheit.