In Berlin müssten bis 2020 jedes Jahr 20.000 Wohnungen gebaut werden. Gleichzeitig stehen 40.000 Wohnungen leer und verfallen. Am Pfingstwochenende entlud sich die Wut über die prekäre Wohnungssituation in Berlin in einer #Hausbesetzung. Ein Sprecher der Besetzer sprach von insgesamt neun Häusern in den Bezirken Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln. Es stellte sich allerdings heraus, dass lediglich zwei Häuser wirklich besetzt wurden, die anderen nur zum Schein.

Ein Haus stirbt

Dazu gehörte auch ein Haus an der Odenwaldstraße/Stubenrauchstraße in Friedenau. Das Haus aus der Gründerzeit steht seit gut 10 Jahren leer und verfällt.

Die 75-jährige Besitzerin sperrt sich dagegen, dass Haus zu verkaufen, will es aber auch nicht instand setzen, um die 16 Wohnungen neu zu vermieten. Dabei gibt es Menschen, die aus dem Haus gerne wieder etwas machen würden. Der Fotograf Dietmar Bührer, der gegenüber wohnt, hat über das Haus sogar einen kleinen Film gedreht und auf YouTube veröffentlicht. Er befürchtet, dass das Haus ganz verfällt und eines Tages abgerissen werden muss, um durch einen modernen, sterilen Wohnklotz ersetzt zu werden.

Leerstand auch in städtischer Hand

Aber auch Objekte, die sich in der Hand städtischer Wohnungsbaugesellschaften befinden, stehen zum Teil seit Jahren leer, wie das Haus in der Bornsdorfer Str. 37b in Neukölln, das am Sonntag tatsächlich besetzt, aber am späten Abend von der Polizei wieder geräumt wurde.

Das ehemalige Schwesternwohnheim, das vor drei Jahren von der landeseigenen Gesellschaft „Stadt und Land“ gekauft wurde und eigentlich saniert werden sollte, steht mittlerweile seit acht Jahren zur Hälfte leer. 2001 stürzte hier eine Cessna im benachbarten Hinterhof ab und beschädigte dabei auch eine Giebelwand des Hauses. Seitdem sind nur noch wenige Wohnungen in dem Objekt bewohnbar. Warum die städtische Wohnungsbaugesellschaft es aber in den letzten drei Jahren nicht geschafft hat, das Haus zu sanieren, erklärt Geschäftsführer Ingo Malter gegenüber dem rbb mit festgestellten Statikproblemen, die weitere Gutachten, sowie Nachüberlegungen nötig gemacht hätten, worüber dann schlicht die Zeit verstrichen wäre.

Und so zieht sich mal wieder eine Sanierung von leerstehendem Wohnraum in die Länge, während für viele Menschen mit geringem Einkommen die Wohnungssuche zum Alptraum wird.

Kritik an Bausenatorin Lompscher wächst

Aber nicht nur die Sanierung von leerstehendem Wohnraum zieht sich in die Länge.

Kritik an zu langsamer Bürokratie bei Neubauvorhaben wird auch gegen Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher (Linke) immer lauter. Selbst der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte Lompscher mehrfach öffentlich dafür kritisiert, dass zu wenige neue Wohnungen entstehen, weil Planungsprozesse zu lange dauern. Müller, der früher selbst Bausenator war, macht die #Baupolitik immer mehr zur Chefsache.

Da dürfte es nicht weiter verwundern, dass Menschen mit solchen Aktionen Aufmerksamkeit auf diese Missstände lenken wollen. Denn mittlerweile äußern nicht nur radikale Linke die Drohung leerstehende Häuser in Berlin zu besetzen. Worte wie Zwangsenteignung und Besetzung sind dabei immer häufiger in den Kiezen der Hauptstadt zu hören. Eigentum verpflichtet eben auch, meinen einige Anwohner an der Stubenrauchstraße, wo das schmucke Haus aus der Gründerzeit verfällt, und wenn die Eigentümerin nicht ihrer Verpflichtung nachkommt, dann sollte dieses Haus unter Denkmalschutz gestellt und der Allgemeinheit zugeführt werden. Mit dieser Meinung stehen sie nicht alleine da. Laut einer vom Tagesspiegel in Auftrag gegebenen Umfrage halten 38% der Befragten Hausbesetzungen für ein vertretbares Mittel der Kritik an der wachsenden Wohnungsnot.