In einem knappen von Trump auf Twitter veröffentlichten Brief schreibt der US-Präsident von einer notwendigen Absage des Gipfeltreffens, welches eigentlich den ersten Schritt zu einer neuen Ära markieren sollte: Eine in der sich USA und Nordkorea endlich vertragen.

Dieser Wunsch bleibt jedoch utopisch. Trump wird in seinem Brief sehr deutlich spricht von „open hostility“ (offener Feindseligkeit) seitens der Nordkoreaner und macht klar, dass er vom kleinen Obersten Führer auf der anderen Seite des Pazifiks nichts zu befürchten hat:

„You talk about your nuclear capabilities, but ours are so massive and powerful that I pray to God they will never have to be used.“ (Twitter: The White House/ Brief Trumps an Kim Jong Un)

Die atomaren Kräfte der USA seien denen der Nordkoreaner weit überlegen.

Trump stellt hier also wieder einmal klar, wer den größeren Knopf hat. Im Folgenden rudert der US-Präsident jedoch zurück. Er hoffe Nordkorea werde in naher Zukunft die Annäherung der beiden Mächte wieder unterstützen. Schiebt die Schuld an der Absage und der „verpassten Gelegenheit für den Weltfrieden“ aber seinem ehemaligen Verhandlungspartner zu.

Unbedachter Kommentar Pences bringt Gipfeltreffen in Gefahr

Ein Kommentar vom Vizepräsidenten der USA, Mike Pence, in welchem er die Situation in Nordkorea mit einer vergangenen Aktion in Libyen vergleicht, gefährdet zunächst das Gipfeltreffen. Vor sieben Jahren wurde im Zuge eines Rebellenaufstands, den die USA unterstützte, das damalige Staatsoberhaupt Libyens, Muammar al-Gaddafi, aus dem Weg geräumt. Dieser hatte 2003 versprochen seine Massenvernichtungswaffen im Gegenzug für die Aufhebung von Sanktionen zu zerstören.

Nordkorea war nach diesem Vergleich verständlicherweise sehr empört, ist er doch eine versteckte Drohung an Kim Jong Un selbst. Hier also keine taktisch kluge Aussage von Mike Pence, wenn das eigene Land gerade dabei ist Beziehungen aufzubauen. Es sei denn natürlich man möchte seine Machtposition unter Beweis stellen.

Never change a running system

Die Strategie der USA scheint einem Muster zu folgen, wurde sie doch in Libyen und im Iran angewandt und wer weiß vielleicht auch bald in Nordkorea.

Trump trat nämlich aus dem Atomabkommen zwischen der P5+1, der EU und dem Iran aus. Diesem Schritt lagen keine eindeutigen Beweise zu Grunde. Dennoch hat Trump nun die Möglichkeit Iran mit harten Sanktionen zu belasten, welche dessen Wirtschaft im Außenhandel stark schaden kann. Im Gegenzug muss die EU versuchen Anreize zu schaffen, so dass sich der Iran dennoch an das Abkommen hält.

Abermals provoziert die USA hier einen unnötigen Konflikt, um die eigene Position zu stärken und die Weltmachtstellung wieder in den Vordergrund zu rücken.