Zum 1. Juli steigen die Renten spürbar an, obwohl die Rentenversicherung immer stärker unter Druck gerät. Nicht nur in Deutschland, auch bei unseren europäischen Nachbarn kranken die Rentensysteme an Überalterung.

Weniger Beitragszahler, aber mehr Rentner und längere Bezugszeiten – das Altern der Gesellschaft bringt die verschiedenen Rentensysteme schon jetzt in Bedrängnis und eine besondere Herausforderung kommt in den nächsten zehn Jahren noch hinzu. Dann nämlich, wenn die Generation der Babyboomer schrittweise in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Die Regierung tut so, als würde sie das Problem anpacken wollen und vertraut auf eine Rentenkommission, die bis März 2020 Vorschläge ausarbeiten soll, wie man zum einen die Rente auskömmlich halten kann, ohne zum anderen die jüngeren Beitragszahler zu überfordern.

Die Bundesregierung will dabei weiterhin auf das altbewährte Drei-Säulen-Konzept aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge setzen, obwohl sich bereits abzeichnet, dass es sich in Zukunft eben nicht mehr bewähren wird.

Warum sich das Drei-Säulen-Modell nicht bewähren wird

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Schon jetzt arbeitet jeder vierte Erwerbstätige im Niedriglohnsektor und erhält Stundenlöhne unter 9,50 Euro. Hinzu kommt, dass 15 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland nur in Teilzeit arbeiten.

Diese Arbeitsplätze führen unweigerlich in die #Altersarmut, wenn man sie lange Zeit ausübt. Das betrifft zum Beispiel den Großteil 2,3 Mio. Beschäftigten im Hotel-und Gaststättengewerbe, wo Stundenlöhne um die neun Euro üblich sind.

Ein Mitarbeiter, der sein Leben lang in der Systemgastronomie arbeitet, erhält selbst nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit aktuell einen Stundenlohn von 9,90 Euro.

Dieser Arbeitnehmer zahlt zu wenig in die gesetzliche Rentenversicherung ein, hat keine Betriebsrente und nicht das Geld privat vorzusorgen.

Bei 160 Arbeitsstunden erhält er gerade einmal einen monatlichen Bruttolohn von 1584,- Euro und kommt somit auf ein mickriges Jahresgehalt von 19.000 Euro. Wer von seinem 20. Lebensjahr an in der Systemgastronomie tätig ist, erhält bei diesem Jahresgehalt eine Rente von etwa 729,- Euro pro Monat.

Milliarden Umsätze, aber keine Betriebsrenten

Ohne private Vorsorge und Betriebsrente droht diesen Arbeitnehmern mit Sicherheit die Altersarmut. Doch wie soll er von einem Nettolohn von ca. 1200 Euro im Monat noch großartig privat vorsorgen? Abgesehen davon, dass es bei der aktuellen Zinspolitik gar keinen Sinn macht Geld anzulegen.

Also kann ihn nur noch die Betriebsrente vor der Altersarmut bewahren. Aber selbst die umsatzstärksten Unternehmen in der Gastronomie sträuben sich davor in nennenswertem Umfang für ihre hart arbeitenden Angestellten vorzusorgen.

Und das obwohl allein die Systemgastronomie ihre Umsätze im letzten Jahrzehnt von 9,9 Mrd. auf 13,8 Mrd. Euro steigern konnte.

Auf Platz 1 thront unangefochten der Fastfood Champion Mc Donalds, der 2017 in Deutschland einen geschätzten Jahresumsatz von 3,2 Mrd. Euro erwirtschaftet hat. Aber die rund 58.000 Mitarbeiter der Fast-Food-Kette sehen davon herzlich wenig.

Lieber horten Konzerne Milliarden auf ihren Konten oder verteilen millionenschwere Boni an ihre Vorstände. Währenddessen schauen die Arbeitnehmer in die Röhre.

Bei der aktuellen Lohnentwicklung in Deutschland [VIDEO] kann das Drei-Säulen-Modell für diese Arbeitnehmer das Risiko Altersarmut nicht mindern und die Rentenkassen füllen schon gar nicht. Das wahre Problem der Rentenkasse ist die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland. Im Alter setzt sich fort, was in jungen Jahren begonnen hat, die schleichende Armut.

Statt dieses Probleme zu erkennen und nach ernsthaften Lösungen zu suchen, verteilen Parteien lieber fleißig Wahlversprechen an die starke Zielgruppe "Rentner" und lassen sich mal eben weitere zwei Jahre Zeit, um darüber nachzudenken, wie man das Problem lösen könnte. Ein Problem, das man nicht einmal richtig erkennen möchte.