Am Samstagmorgen hat Benedict Neff einen interessanten Kommentar in der "Neuen Züricher Zeitung" veröffentlicht:

"Deutschland verfällt in eine Rassismus-Hysterie"

Dabei geht es um die #MeTwo-Debatte, die der Austritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft ausgelöst hat.

Alltagsrassismus, der nun unter diesem Hashtag #MeTwo angeklagt wird, soll Deutschland also in einem bisher unbekannten Ausmaß stattfinden. Neff scheint dabei vor allem zu irritieren, dass Bundesaußenminister Heiko Mass das Lesen der Tweets empfehle, vor allem denjenigen, die glauben würden, dass Rassismus [VIDEO] kein Problem mehr sei.

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#MeTwo wie ein Gottesdienst?

Für Neff hat bei Özil vor allem der Satz mit dem Inhalt "Deutscher, wenn wir gewinnen und Einwanderer, wenn wir verlieren" viele elektrisiert. Die deutschen Medien hätten das Thema gleich ganz hoch gehandelt.

Am Schicksal von Özil sei das ganze angebliche Elend von Einwanderern in Deutschland aufgehängt worden.

Neff wörtlich: "Man konnte meinen, die Integrationsdebatten der vergangenen Jahre hätten nie stattgefunden. Özil als die Stunde null."

Für Neff geht es bei #MeTwo um eine Darstellung von Betroffenheit, bei der die Leser nicht mitreden dürfen. Eine Aneinanderreihung von Vorwürfen, deren Echtheit nicht betritten werden kann. Eine solche Sammlung sei prinzipiell nicht schlecht und bringe unangenehme Tatsachen auf den Tisch, sagt Neff. Aber es sei eine "Zuhörerdebatte" bei der Zwischenrufe, wie in einem Gottesdienst, nicht erwünscht seien.

#MeTwo - Neff im Selbstversuch

Als guter Journalist hat sich Benedict Neff natürlich auch gestellt und bei #MeTwo eingehend mitgelesen: "Wenn man die Geschichten nacheinander liest, wie es der deutsche Außenminister empfiehlt, bekommt man den Eindruck, Deutschland sei ein durch und durch rassistisches Land." Das sei ein Eindruck, der Unbehagen auslöse und zur Frage führe: Sind Deutsche fremdenfeindlich oder geht es um eine Minderheit? Oder haben die Deutschen noch ein ganz anderes Problem?

Laut Neff schon: "Die Lust an der moralischen Selbsterhöhung ist in Deutschland mindestens so groß wie die zur Selbstanklage."

Deutschland auf die Psycho-Couch?

Benedict Neff lässt Deutschland schon ein bisschen so ausschauen, als gehöre das ganze Land auf die Psycho-Couch.

In dem einen Moment habe das Land fähnchenschwingend an den Bahnhöfen gestanden, im nächsten Moment sei der Rassismus [VIDEO] angeblich tief verankert. "Diese rasanten Umschwünge sind befremdlich", schreibt Neff und ja, damit hat der Kollege wohl absolut recht.