Politik auf einer Social-Media-Plattform?

Auch wenn es klingt wie eine schlechte Phrase: Besonders in der Jugend der Bundesrepublik entsteht in den letzten Jahren mehr und mehr der Eindruck, dass von „denen da oben“, also den Politikern in Berlin, mehr über sie als mit ihnen gesprochen wird. Man erhält den Eindruck, dass die Menschen, die die Zukunft unseres Landes bilden, zwar gerne zum Politikum gemacht werden, aber selten selbst Politik machen dürfen. Stellvertretend dafür stehen zum Beispiel all die Situationen, in denen ein riesiger Aufschrei durch die Reihen der Konservativen ging, als das Mindestalter für das Erlangen des Wahlrechts auf 16 reduziert werden sollte.

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Man vermutete, dass Jugendlich in diesem Alter wohl kaum die politische Reife hätten, ihr Kreuz verantwortungsbewusst zu setzen.

Umso mehr wird es sicherlich so manchen überraschen, dass einige Jugendliche deutschlandweit mittlerweile die Sache selbst in die Hand genommen haben: Über die Onlineplattform Instagram läuft, von „denen da oben“, die immer wieder betonen, wie wichtig Medienkompetenz ihnen sei, kaum bemerkt, seit einigen Monaten eine stetig wachsende Politiksimulation.

Virtuell, ohne Auswirkungen auf die Realität aber dennoch erstaunlich detailgetreu umgesetzt, debattieren, diskutieren und wählen die Jugendlichen. Hat man sich einmal an die Umgebungen von Instagram und dem ebenfalls in der Simulation beliebten Instant-Message-Programm Discord gewöhnt, kommt einem Vieles bekannt vor: Es gibt einen Bundestag, Landtage, Parteien, Journalisten, einen Bundesgerichtshof, sogar Standesamt und Universität fehlen nicht. Der Account „politksim.ger“, über den die Simulation geleitet und verwaltet wird, verzeichnet fast 950 Abonnenten, Tendenz steigend. (Stand: 18.Dezember)

Doch wer sind diese vorrangig jugendlichen Politiker, die ihre eigene Politik machen wollen? Wir haben ein Interview mit einem Mitglied des Vorstands geführt.

Interview mit Jakob von der Politiksim

Blasting News: Hi und vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast.

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Möchtest Du dich und deine Mitstreiter des „Simulationsvorstandes“ einfach einmal kurz vorstellen?

Jakob: Also ich bin Jakob, 16 Jahre alt, aus Bayern. Ich bin eines von acht Mitgliedern des Vorstands und auch Vorsitzender meiner Partei in der Politiksim, der KLP. Meine Mitstreiter sind Julian, „Thanatos“ (eigentlich Reyk), Lukas, Juri, Julius, der leitet zum Beispiel den Bundesgerichtshof, Elias und Johannes. Wir acht arbeiten eigentlich von Anfang an zusammen an dem Projekt.

BN: Was genau hat euch dazu bewegt, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen?

Jakob: Naja, die ersten beiden waren eigentlich Julian und Reyk, die davor bei einem ähnlichen Projekt namens „Wahlsim“ mitgemacht haben. Das Projekt lief leider nicht mehr so gut, deswegen wollten sie einen Neustart initiieren. Und dann haben sie einfach ein paar Leute von uns angeschrieben und die die sich zurückgemeldet haben sind im Prinzip auch die, die jetzt den Vorstand bilden.

BN: Was genau ist denn eigentlich die Rolle dieses Vorstandes?

Jakob: Grundsätzlich sind wir erstmal die Projektleitung.

Wir stehen gewissermaßen über oder außerhalb der ganzen politischen Prozesse und Abläufe, dienen daher als Ansprechpartner für Bürger, Parteien, Demoskopen und anderen Leuten bei Fragen, die die Simulation im Allgemeinen betreffen. Außerdem verwalten wir unseren Instagramaccount und die Discordserver und sorgen dafür, dass alles so reibungslos wie möglich läuft. Dafür setzen wir den groben Rahmen mit einigen Grundregeln, die bei so einer Simulation nötig sind, denn es kann natürlich nicht alles 1:1 aus der Realität übernommen werden. Unsere vermutlich aufwendigste Aufgabe ist das Verwalten der Wahlen, da es nicht leicht ist, so etwas über das Internet zu überprüfen. Außerdem haben wir kürzlich ein neues System implementiert, welches 7 Arbeitsgruppen vorsieht. Jeweils einer von uns sitzt einer dieser Arbeitsgruppen vor. Die AGs dienen dazu, spezifischere Aufgabenbereiche abzudecken und den Mitgliedern der Simulation, die nicht im Vorstand sitzen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv in die Verwaltung einzubringen. Da wird es dann einmal pro Woche eine Vorstandssitzung innerhalb der AG geben, wo Ideen für den Bereich eingebracht werden.

BN: Wie nah ist eure Simulation dann eigentlich an der Realität?

Jakob: Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Natürlich versuchen wir, möglichst realitätsnah zu sein, aber aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen konnten wir nicht alles aus der Realität genauso anwenden. So wird bei uns beispielsweise der Bundespräsident direkt gewählt, anfangs gab es auch eine Obergrenze für Parteien, um nicht den Überblick zu verlieren. Grundlegende Voraussetzungen wurden auch durch den Vorstand bestimmt, zum Beispiel die Größe des Bundestags, das Wahlsystem usw.

BN: Und wie sieht es mit der Parteienlandschaft aus? Ist diese vergleichbar mit der echten Parteienlandschaft oder gibt es starke Abweichungen?

Jakob: Tatsächlich würde ich sagen, dass es mehr konstante, „große“ Parteien gibt als in der Realität. Am Anfang standen wir vor dem Problem, dass die Parteien sich kaum profiliert hatten und deswegen keine großen Unterschiede zwischen ihnen bestanden. Mittlerweile hat aber die Demokratie gute Arbeit geleistet und es gibt immer klarer differenzierte Parteien. Es ist jetzt deutlich leichter, sich eine Partei auszusuchen und noch dazu gibt es auch die Möglichkeit, relativ einfach selbst eine Partei zu gründen.

BN: Könntest Du uns ein paar Beispiele an Parteien nennen und erklären, was genau die Inhalte dieser Parteien sind?

Jakob: Ein gutes Beispiel ist die Kolibripartei. Diese ist vergleichbar mit der FDP, nur noch etwas liberaler. Dann gibt es die SEP, die sind so etwas wie eine linkere SPD, deren Themen aus dem Spektrum linker, grüner und pro-EU-Politik kommen. Die KLP und die KVP sind Parteien rechts von der heutigen CDU/CSU, die PSD ist in etwa die Linkspartei und dann gibt es noch die FRAKTION, angelehnt an die Satirepartei DIE PARTEI um nur die größten Parteien zu nennen.

BN: Was könnte man also abschließend einer außenstehenden Person über die Politiksim sagen?

Jakob: Das gute an der Simulation ist, dass es keine komplizierten und langwierigen Prozesse für die Aufnahme oder Mitwirkung gibt. Prinzipiell kann jeder mitmachen, der möchte. Besonders interessant ist es natürlich für alle Politikinteressierten, die vielleicht im echten Leben noch nicht so richtig ihre politische Heimat gefunden haben, sich aber hier probieren und politische Meinungen diskutieren wollen. Aber auch sonst stehen einem viele Möglichkeiten offen, man kann in die Medienlandschaft einsteigen oder eine Universität besuchen. Alles ist relativ ungezwungen und auf freiwilliger Basis.

BN: Vielen Dank für das Interview!

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